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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 266

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 266 (sequence 65)
Language
German
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266 „Und Wo ist sie? Warum hast Du sie mir nicht hergebracht? Meine Tochter . . . Moriz Seligsohns Kind . . . Hirsch Seligsohns Enkel . . Wieder wuchs seine Erregung. — „Sie ist zu den Feiertagen nach Hause gereist, zu ihren Eltern, dort wollte sie Deine Entscheidung erwarten ..." antwortete Georg. „Mischpoche ist. Mischpoche!" rief der Kommerzienrat emphatisch und sank dann wieder in sich zusammen. „Ich glaube es ist Zeit, daß wir nach Hause geljeiv die freudigen Aufregungen dieser Stunde haben Papa etwas müde gemacht uud es ist spät geworden . . ." mahnte Betty. „Ja, mein Bettychen, mein kluges Töchterchen^ Heymann Lessers Tochter, Du hast recht . . . viel Schönes ist über mich^ hingegangen an diesem Abend, den Gott hat eingesetzt zur Freude und Einkeht und Erinnerung . . . aber auch die Freude macht müde uud die Einkehr macht nachdenklich und die Erinnerung macht wehmütig . . . und morgen ist wieder ein Tag, ein großer, heiliger Tag . . . also gute Nacht , für heute, gute Nacht . . . ich danke Euch allen ... ich danke Euch . . . Gott hat mich gesegnet in meinen Kindern ... ich danke Euch!" Ehrfurchtsvoll küßten sie feine Hand, die er jedem reichte. Aber diese starke Hand war matt und welk geworden in den letzten Jahren. Ein ahnungsvoller schauer ging durch ihre Seelen . . . Nur Dorothea, die Jüngste, die sich während des ganzen Abends schweigsam Verhalten hatte, schien nichts von der Veränderung zu merken, die mit dem Vater vorgegangen war und als sie vor ihm stand, hielt er ihre Hand länger fest, sah sie zärtlich an und sagte mit einem schalkhaften Lächeln: „Soll ich den Geschwistern heute noch erzählen, warum Du die Laurentinische Bibliothek für das Interessanteste in Florenz erklärtest, die Handschriften dort nicht genug anstaunen konntest und zu der Einsicht gelangtest, daß man die Kunstschätze dieser Stadt ohne sachverständigen Führer unmöglich erfassen könnte, daß dazu unbedingt ein Kunsthistoriker, ein Gelehrter, der sich mit dem

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