Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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265 Der Kommerzienrat streckte ihm die Hand entgegen ... er saß in der ganzen Würde des Familienoberhauptes La, das eine wichtige Entscheidung zu treffen habe. „Sprich, wer ist es, Georg . . .?" „Es ist die jüngste Tochter von Dr. Moritz Seligsohn, Hedwig . . Ein Glücksstrahl leuchtete in Samuel Löwenbergs 2luge auf ... „Eine Tochter ... ein Kind meines Vetters Seligsohn ... ein Enkel von Hirsch Seligsohn . . . von Hirsch Seligsohn . . ." Wie Jauchzen klang es aus seiner Stimme und dann preßte er die Hände vor sein Antlitz und brach in ein erschütterndes Weinen aus . . . „Georg, mein Sohn . . . mein Sohn! Wahrlich, Gott hat mich gesegnet in meinen Kindern . . . Mischpoche ist Mischpoche hat Hirsch Seligsohn einmal gesagt, mein Onkel Hirsch Seligsohn . . . damals . . . einst . . ." Die große Gemütsbewegung hatte seine Kräfte erschöpft, er lehnte ermüdet in seinem Sessel und schloß die Augen. Beunruhigt sah Frau Sofie zu ihm hinüber und auch Betty beobachtete scharf die jähe Veränderung, die wieder mit ihm vorgegangen. Aber bald raffte er sich wieder auf und sagte: „Wer sie ist, weiß ich . . . wie sie ist, denke ich mir . . . jung und schön und wohlgebildet und fein, aber wie es gekommen, wo Du sie kennen gelernt, möchte ich erfahren ..." Und nun erzählte Georg, daß Hedwig im vorigen Jahre nach Berlin gekommen war, um hier Musik zu studieren und sich zur Musiklehrerin auszubilden. Sie war in einer bescheidenen Pension untergebracht und von ihrem Vater an Max und Arthur empfohlen worden, die die liebe Verwandte sehr herzlich aufnahmen . . . und dort bei Betty, der prächtigen, und Annie, der gütigen, lernte ich sie kennen, und da das junge Mädchen sehr bald die Zuneigung aller gewann, durch ihr herrliches Spiel alle entzückte, begegnete ich ihr öfter . . . erst absichtslos, dann suchte ich sie und dann . . . und dann ... ja, so war's gekommen ..."