Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 63)
- Language
- German
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264 , „Er hat sich sehr verändert, seit ich chn zum letzten Male gesehen, als er vor zwei Jahren zu kurzem Besuch bei uns in Florenz war ..." „Ja, zwei Jahre machen viel aus einem Menschen... Aus einern Referendar einen Assessor, aus einem übermütigen Jungen einen seriösen Herrn, aus einem schwächlichen Körper eine stattliche Figur, aus einem flotten Kurmacher einen ernsthaften . . ." Ein scheuer, bittender Blick flog zu der Schwägerin; diese legte verständnisvoll den Finger an den Mund, „ach so . . . ja natürlich, so was muß man selber beichten . . . und eines hat sich sicherlich nicht verändert in diesen Jahren, daß Du Mamas Verzug geblieben . . . Du hast also, wie sonst immer, die häusliche Majorität auf Deiner Seite". „Aber Betty . . .", rief Annie ganz erschrocken. „Gott, tu doch nicht so, Annie, frag' mal Arthur, ob ich nicht recht habe. In jeder guten Ehe hat der Mann Wohl die erste Stimme, die Frau aber alle übrigen, die zweite, dritte, vierte, fünfte und so fort mit Grazie ... bei Euch ist's auch nicht anders — und Stimmen zählt man übrigens nicht, man wägt sie, en fin . . ." Während dieser kleinen Scherzreden Betty's hatte Georg seine Fassung wiedergefunden und wendete sich an die Eltern: „Daß ich es Euch nur sage, teurer Vater, geliebte Mutter, mit den ernsthaftesten, heiligsten Gefühlen, die eines Mannes Herz beseelen, stehe ich vor Euch", ein Aufleuchten ging über sein hübsches Gesicht, „ich liebe und werde geliebt . . ." Er hatte sich erhoben und war dicht an den Vater herangetreten. „Und ich bitte um Deine Einwilligung, geliebter Vater, um Euren Segen, teuerste Eltern". Seine Stimme bebte, obwohl er bemüht war ihr Festigkeit zu geben. „O, Georg . . .", rief die Mutter in großer Erregung . . . „wer, wer ist es? Kennen wir sie . . .?" „Kaum liebe Mama, wohl nur dem Namen nach . . . aber dieser Name ist Euch wert und lieb ... ich weiß es . . ."