Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 62)
- Language
- German
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263 abgesponnen. Die kleinen Fatalitäten und unvermeidlichen Störungen und Sorgen, die zu den Bestandteilen des Daseins gehören, kamen dabei nicht in Betracht. Die Aktiengesellschaft für schlesische Leinenindustrie •— vormals Gebrüder Löwenberg — gedieh unter Maxens direktorialer Leitung vortrefflich. Die Bankfirma Rosenzweig & Löwenberg, deren Mitinhaber Arthur war, erfreute sich des besten Renommees und genoß das Vertrauen der Finanz- Welt. In den Ehen beider Brüder herrschte Glück, Zufriedenheit und die Harmonie vornehmer Lebenskunst. Frau Betty, die die führende Rolle hatte, war für Arthurs Frau vorbildlich. Die etwas zarte, sehr anmutige Frau hatte an der klugen, geistvollen und energischen Schwägerin eine wahre Freundin gefunden, und beide wetteiferten, ihre Häuslichkeiten zu Stätten eines innigen Familienlebens und liebenswürdigen geselligen Verkehrs zu machen. „Unsere Männer sind verwöhnt und haben's vor sich gesehen, wir dürfen uns von Schwiegermutter nicht beschämen lassen," Pflegte Betty scherzhaft zu sagen, „das dürfen wir uns nicht antun." Auch der Kindersegen ließ nichts zu wünschen, und man konnte den Eltern in Italien den Zuwachs von drei Enkeln innerhalb der drei Jahre ihrer Abwesenheit melden. Bei Max war ein Mädchen, bei Arthur ein Knabe und ein Mädchen hinzugekommen. Mit viel Frohsinn und Befriedigung wurden alle diese Ereignisse rekapituliert und in allen Einzelheiten besprochen und jetzt erst schienen die Eltern und Dorothea wieder ganz daheim, nachdem sie in alle diese hübschen, freudiger! Intimitäten eingeweiht und die Bewegungen des starken Lebensstromes, der das Haus Lamuel Löwenberg und seiner Nebenlinien durchflutete, in sich vibrieren fühlten. 9hm aber sollte auch Georg erzählen, der inzwischen zu schöner Männlichkeit sich entwickelt hatte. Mit heimlichem Stolz ruhte der Mutter Auge auf ihrem Liebling, und er fühlte diesen Blick. Seine elegante, geschmeidige Gestalt schien darunter noch zu wachsen. „Was sagst Du nur zu unserm Affeffor, Mama?" fragte Betty.