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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 256

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 256 (sequence 55)
Language
German
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256 Wesenheit sich zu getragen. Erfreuliches und Verstimmendes. Wenn man auch in fortdauerndem, brieflichen Verkehr: stand, so hatte man den Eltern doch nur in kurzen Umrissen mitgeteilt, was sich ereignet hatte, und ihnen alles verschwiegen, was sie hätte beunruhigen und aufregen können. Des Vaters Gesundheit war nicht: mehr die feste wie in früherer Zeit. Und wenn er es auch nicht zügeben wollte: er hatte sich von den mit seines Bruders Uebertritt sich vollziehenden Aufregungen sich nicht wieder ganz erholt.'Der Austritt aus dem Geschäft, die unfreiwillige Ruhe^ zu der der noch tatkräftige Mann sich verurteilt sah, zehrten an seinem Lebensmark, und wenn er auch äußerlich sich scheinbar aufrecht erhielt, er war getroffen im innersten Lebensnerv. Den klugen Blicken seiner besorgten Gattin entging das nicht, auch nicht der Achtsamkeit seiner liebevollen Kinder. Der Arzt riet eine längere Abwesenheit von Berlin an, aber dazu wollte er sich anfangs nicht entschließen. Es schien ihm wie feige Flucht. Was gingen ihm schließlich alle diese Unerfreulichkeiten und Unerguicklichkeiten an, diese Lächerlichkeiten und Blamagen im Hause seines Bruders? Aber wenn er auch wähnte, mit starker Hand ausgerissen zu haben, was sich als nicht wurzelfest erwiesen, das Erdreich war tief, viel zu tief und dort unten sproßte und keimte etwas, was ihn nicht mehr zur Rühe kommen ließ. Julius Löwenberg war tot, tot für ihn und die Seinigen, und doch, von Zeit zu Zeit erschien er wieder, mit fremden, verzerrten Zügen, und sein müdes, tottrauriges Antlitz tauchte gespenstisch auf im Bannkreis der Familie. Davor gab es keine Rettung, auch wenn es anfangs schien, als würde man doch darüber hinwegkommen. Je weniger man davon sprach, je ängstlicher man es vermied daran zu rühren, desto mehr wühlte der Schmerz und die Kränkung sich im Innern ein. Als dann aber nach einigen Jahren den seelischen Leiden sich auch körperliche gesellten, gelang es endlich den Bitten der Gattin und der Kinder und der energischen Forderung des langjährigen Hausarztes, den Kommerzienrat zu bestimmen, auf längere Zeit fortzugehen. Frau und Tochter begleiteten ihn, und um ihn dem Zwang einer Einschränkung

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