Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 54)
- Language
- German
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255 „A la bonheor! Da lob' ich mir den verfeinerten Geschmack der Löwenbergs . . lachte Betty. „Es kommt aber noch besser . . „Nu hör' aber auf", rief Max belustigt, „wenn er noch lange weiter erzählt, wird er uns schließlich Vorreden, daß nach Beendigung des Festmahles Marie, Elisabeth, Luise Löwenberg, Mali geb. Bendel, das „Vater unser" sprach ..." „Chvinu malkeinu . . sagte mit leiser Stimme Betty, in merkwürdiger Jdeenverbindung und plötzlicher Erinnerung an die Gebräuche und Gebetverrichtungen im frommen Elternhause. Dorothea hatte unwillkürlich die Hand der Schwägerin ergriffen. Das junge Mädchen blickte in träumerischer Selbstvergessenheit die Geschwister an, als wäre die ganze überstiegene, hypermoderne Welt vor ihren Augen mit einem Schlage versunken. Max aber wiederholte gedankenvoll die Worte seiner Frau: „Owirtu malkeinu" . . . „Unsere alten Gebete hallen in den Kirchen wieder", rief jetzt Georg. Ein heiliger Schauer zog durch die Seelen der jungen, schönen, glaubenstreuen Menschen. * Einige Jahre waren über diese Ereignisse hingegangen. Im Hause des Kommerzienrats Löwenberg sah man der Heimkehr der Herrschaft entgegen, die nach fast dreijähriger Abwesenheit heut zurückerwartet wurde. Georg, der jüngste Sohn, ging erregt durch die zum Empfang der Eltern festlich geschmückten Räume. Er hatte den Teuren eine besondere Ueberraschung zu bereiten. Vorgestern hatte er sein Assessorexamen bestanden und wollte erst bei ihrer Rückkehr ihnen diese Mitteilung machen und dann noch eins . . . sein Herz klopfte hörbar, wie würden Vater und Mutter das aufnehmen, was er ihnen noch zu sagen hatte? So vielerlei Neues und Ueberraschendes harrte ihrer, so vielerlei hatte in ihrer Ab-