Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 49)
- Language
- German
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250 auf deren Fortentwicklung man bedacht sein muß, steht einem näher, wie Bruder und Schwester und selbst wie Eltern. Denn das Haus seiner Eltern soll man verlassen und seinem Weibe folgen . . . „Nun wird Herr Julius gar noch bibelfest . . rief der Kommerzienrat erbittert, „hat nie genug! Nichts in diesen Worten ist von ihm, auf die Weisheit von Frau Mali und seiner Tochter Irene verzichte ich . . . „Es ist auch nicht viel mehr zu sagen, bestelle Deinem Väter, daß ich seiner in steter Liebe gedenken werde, fuhr er fort, und daß ich den wärmsten Anteil an Euch allen nehme und Eurem Gedeihen, und daß ich in meinem Herzen dem Glauben der Väter eine Stätte bereitet . . . „Eine Grabstätte mit einem Kreuz darauf . . rief Georg empört. — Der Kommerzienrat hatte sich erhoben und schüttelte traurig sein Haupt- „Dein ist der Spott, mein Sohn, ich kann Dich darob nicht schelten, aber was mein Bruder gesagt, das war seine Stimme! Vielleicht der letzte Aufschrei seiner Seele . . . das Letzte, was sein verleugnetes Judentuni noch aus ihm sprach." Er hatte das Zimmer verlassen und seine Gattin folgte ihm in tiefster Besorgnis. Auch der Rabbiner verabschiedete sich bald darauf. Die jungen Familienmitglieder waren jetzt unter sich. „Das hättest Du nicht sagen dürfen, Georg . . zürnte Dorothea. „Gewiß, es war hart, aber glaubt mir, man kann nicht wie die Katze um den Brei, um die abscheuliche Geschichte herumgehen. Es wird sich nicht immer vermeiden lassen, wenn die Eltern erst wieder in Berlin sind, daß sie eine oder die andere Bemerkung werden zu hören bekommen." „Ich glaube, Georg hat Recht", stimmte Max zu, „mit