Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 48)
- Language
- German
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249 die Interessen der Firma wahrnehmen wirst. Aber ich möchte in diesem Augenblick, wo unsere Wege auseinandergehen, nicht nur geschäftlich, wie es.nach dem Verfahren Deines Vaters leider den Anschein hat, sondern auch persönlich, eine Unterredung mit Dir haben und erwarte Dich heute um elf Uhr im Privatkontor des Geschäfts ..." „Du gingst natürlich hin . . . ." „Ja, Vater! Ich hielt mich nicht berechtigt seinen Wunsch zu mißachten. Ich stehe, aufrichtig gesagt, diesen Privat-Angelegenheiten-^der Familie Julius Löwenberg viel zu fremd und innerlich kühl gegenüber, er ist der ältere Mann, mein Associe, mein Onkel . . . ein bestimmter Wunsch von Dir lag nicht vor, und so glaubte ich, daß ich den üblichen Formen zu entsprechen habe ... ." „Du hast ganz richtig und überlegt gehandelt . . ." sagte der Vater, „was zwischen ihm ist und mir," eine düstere Falte grub sich zwischen seine Brauen, „ist . in der Tat eine allerpersönlichste Frage und Du durftest ihm diese Begegnung nicht verweigern, so lange der Abbruch der Familienbeziehungen nicht genau präzisiert ist . . . „Na, unsere Beziehungen zu Julius Löwenbergs waren immer sehr locker und beruhten nur auf dem Zusammenhang, den sie mit Euch hatten ..." warf Betty dazwischen. „Um so besser und desto rascher wird sich alles vollziehen . . . er machte eine ablehnende Handbewegung, „und .... aber . . . ." „Ich fand den Onkel sehr gedrückt und verändert aussehend . . . ." „Nicht jede Wasserbehandlung schlägt gut an," flüsterte Betty Georg zu „Er sagte nach einer kleinen Verlegenheitspause, Dein Vater hat die Anzeige, daß ich und meine Frau, ebenso wie unsere Kinder die Staatsreligion angenommen, mit einem Stillschweigen hingenommen, daß ich, dem seine Gesinnungen bekannt sind, als nichtachtend ansehen muß. Das schmerzt mich sehr, aber ich muß es über mich' ergehen lassen und seinen Unwillen zu ertragen suchen, denn die eigene Familie, die man begründet hat, und