Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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247 „Und die Mutter von Käthe, Fritz und Hansi Löwenberg . . ." Jetzt lachte diese in tollster Laune und sprudelte heraus: „und die Schwägerin von Arthur Löwenberg, in Firma Rosenzweig und Löwenberg, und die Schwägerin von Referendar Dr. Georg Löwenberg und gar die Schwägerin von . . . von . . . Dortha Löwenberg". Sie umschlang das junge Mädchen zärtlich . . . „hast Du schon jemals so viel entzückende Juden beisammen gesehen? Das nenn' ich eine Mischpoche!" Unter fröhlichen Gesprächen waren sie am Bahnhof angelangt, der Kutscher übernahm jetzt das Gespann und die Leiden Damen gingen nach dem Perron. „Georg wird viel neues zu erzählen haben . . ." „Und Max?" „Max? Glaubst Du, daß er mitkommt?" „Aber Bettychen, Heuchlerin, tue doch nicht so! Für mich und Georg hast Du Dich doch nicht so schön gemacht. . . ." Sie sah mit Wohlgefallen die reizende Schwägerin an, die in leichter Verlegenheit errötete. „Du, hör' einmal, ich denke doch ich bin immer schön! . .. ." „Also, sagen wir, bildschön!" In diesem Augenblick fuhr der Zug ein und wenige Augenblicke später hatte Max seine Frau umarmt, während Georg die Schwester begrüßte. In raschem Trabe legten die Pferde dann den Heimweg zurück, und als die ersten Sterne am Himmel standen und Dr. Seligsohn aus seinem Zimmer kam, wo er für sich den Segen über den scheidenden Sabbat gesprochen hatte, waren alle um die trauliche Familientafel vereinigt, auf der leckere Speisen zum Mahle luden. Der Kommerzienrat lächelte seine Frau an. „Alles zu rechter Zeit! Bei einer klugen jüdischen Hausfrau kann auch ein Rabbiner ruhig zu Gaste sein . . . die weiß, was sich gehört und was sich gebührt und darauf kann man sich verlassen!" Man blieb noch ein Stündchen beisammen. Die ani Tage entbehrte Zigarre schmeckte jetzt Dr. Seligsohn