Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 45)
- Language
- German
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246 der selige Onkel Meyer gesagt hätte: Ausgewachsen bei Sparaser Jucker ..." Die beiden aber fuhren in frohestem Jugendmut die Chaussee entlang, die zur Bahnstation Swinemünde führte. Der Boden der prächtigen Laub- und Nadelwaldungen war mit Heidekraut dicht bedeckt und umsäumte den Fahrweg, wie mit einem dicken lila Teppich, durch den sich der Farrenkräuter grüne Dessins zogen, die Baumgipfel waren von der scheidenden Sonne vergoldet und über allem breitet sich der Friede stimmungsreiner Abendruhe. „Ist das nicht köstlich hier?" rief Betty, „stets aufs neue freue ich mich dieser füllen Natur und die Heringsdorfer Sommermonate sind mir lieber, wie die schönsten, weitesten Schweizerreisen." „Na, zu verachten sind diese auch nicht, Bettychen . . . so mit dem großen Train, wie im vorigen Jahre nach St. Moriz ..." „Gott, ja! Natürlich! Aber behaglicher ist's hier und ausruhsamer und . . . und . . . weißt Du, auch distinguierter, so in der Familie, so ganz vornehm für sich . . . nicht so im Trubel von Hotels und table d’hote und Toiletten. Hier diese Villa, die Intimität des Hauses, die Equipage: Unser alles, unser allein, ganz apart . . ." jauchzte sie, „und der Strand und das Meer ..." „Auch unser ganz allein?" lachte Dorothea. „Na, das ist groß genug, da können auch die anderen was abhaben" . . . ries die lebhafte Frau übermütig. „Das ist wieder mal unsere stolze Betty", sagte das junge Mädchen, das die bedächtigere von beiden schien, und ließ den Pferden, die jetzt in ruhigem Trabe der kleinen Hafenstadt zustrebten, die Zügel. „Hat auch alle Ursache dazu", gab sie mit frohem Selbstbewußtsein zur Antwort, „die Tochter von Heymann Lesser, die Schwiegertochter von Samuel Löwenberg, die Frau von . . ." „Vom demnächstigen Direktor Max Löwenberg . . ." „Stimmt!"