Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Lergs oder der Seligsohns, der also sprach?" fragte sie gerührt und sah den Gatten an in Stolz und Demut/ „Von jedem etwas! Doch Moritz' Vater, Onkel Hirsch Seligsohn, hat die Bedeutung des Wortes für uns geprägt, feinen Inhalt aber hat niemand tiefer erfaßt, als eine aus der Mischpvche der Rosenzweig . . . Er küßte galant die Hand der Gattin, die wie in -Jugendglanz errötend, das Haupt mit dem leicht ergrauten Haar vor ihm neigte. Betty und Dorothea waren Sonnabend gegen Abend nach Swinemünde gefahren, um Georg vom Bahnhof ab- Zuholen. Dorothea hatte der Mutter die Erlaubnis abgeschmeichelt, selbst kutschieren zu dürfen und sie nahmen Len docart, auf dessen Hintersitz der Kutscher Platz nahm, während die beiden jungen Frauengestalten, geschmeidig und elastisch sich auf den Vordersitz schwangen. Gewandt ergriff Dorothea die Zügel, die schönen, feurigen Jucker zogen an und fort, sauste das Gefährt. Frau Sofie sah etwas bedenklich den Abfahrenden nach und ihr Mann der neben ihr ander Tür des rückwärts an die Straße grenzenden Gartens stand, sagte neckend: „Siehste Du, Alte, soweit haben wir es noch nicht gebracht! Wie das zugreift, beherzt und sicher, als wäre ihnen das angeboren. Reiten, Kutschieren, Schlittschuhlaufen, Turnen, Schwimmen .... kurz, training! training! wie Georg immer sagt . . . das brauchen die modernen Juden um ihre geistige Überlegenheit durch körperliche Kraft zu unterstützen . . . „Ja, hat er denn nicht recht?" sagte sie und schob ihren Arm unter den des Gatten, „es gibt ein Gefühl der Sicherheit und es ist doch auch dem Organismus Zuträglich und macht ihn widerstandsfähig ..." „Wer wollte es ihnen wehren oder nicht von Herzen gönnen?! Und dann, die Freude an edlen Pferden habe ich auch und freue mich sie halten zu können, wenn auch