Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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243 lenö, viel öfter mit verstecktem Stolz, recht heimlich von dem, was in der Mischpoche erreicht wurde. . . „Gewiß", sagte der Rabbiner, „es ist ein gemeinsamer Zug, dieser ausgeprägte Familiensinn, man könnte ihn das Wahrzeichen des Judentums nennen. Sein Schicksal und sein Waffen, denn in diesem Zeichen haben sie sich erhalten und was man auch heute sagt, darüber spöttelt und es oft lästig empfindet, in dieser Solidarität steckte ein Teil der großen, triebfähigen Kraft, der Entwicklung und Erhaltung . . .!" „Wenn's nur nicht manchmal mit soviel Lästigem, Verletzendem verknüpft wäre . . .!" wendete der Kommerzienrat ein. „Wir Aelteren empfinden dies ja nicht so, wir sind's erstens gewohnt, es liegt uns nicht so fern und drängt sich nicht so störend in unser jetziges Leben ein wie bei der jüngeren Generation. Jeden Augenblick kommt Max oder Arthur aus dem Kontor oder von der Börse mit der Meldung, daß jemand aus der Mischpoche sich vorgestellt habe, und Georg hatte an der Universität so viel Vettern aller Fakultäten, daß er sich dieser lieben Vetterschaft gar nicht erwehren konnte. Es war bei ihm schon übermütiger Scherz geworden, jeden Mittag mit der Meldung zu Tisch zu kommen: „Denke Dir Papa, Herr Saul Heymansohn läßt sich Dir empfehlen, er ist ein Neffe von Tante Feilchenfeld aus Meseritz, die den Bruder von der Muhme Lea aus Weißenburg in dritter Ehe geheiratet hat ... er studiert hier Philosophie, nicht der dritte Mann der Muhme Lea, sondern ihr Neffe Heymansohn, und wird nächsten Sonntag seine Aufwartung rnachen . . . kennst Du ihn Papa? . . . Nee? Ich kenn ihn aber ganz genau, er hat mir die Mischpoche bis in die letzten Ausläufer auseinander gesetzt, ich glaube bis zuni Ahnherrn von unserm Großvater Josef Seligsohn . . . mütterlicherseits . . . ." „Ach Samuel", lachte Frau Sophie, „nun mach mal Georg nicht schlecht ... er hängt an der Familie, wie kaum einer, wenn er auch seine Witze macht . . „Natürlich! Besonders an der Familie seiner Mutter, deren Liebling er ist", neckte der Kommerzienrat, 16«