Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 36)
- Language
- German
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287 Das saß tiefer. Ihr feines Empfinden ließ sie es- Nachfühlen, und sie dachte, es sei am besten, die Eltern mit ihrem Gaste allein zu lassen. Sie, die aus einer' Zeit, einer Welt stammten und sich verstanden. „Ich möchte noch einmal nach den Kindern sehen", sagte sie, „kommst Du mit, Max?" Er erkannte ihre Absicht, und auch Arthur und Georg folgten ihrem Winke. — ■' „Wenn Du gestattest, Papa? Wir haben noch eine Verabredung unten am Strande!" . . . fragte Arthur. „Du erlaubst, Mama .... Sie entschuldigen uns, Herr Doktor" . . . wandte Georg sich zu ihnen. „Ja, geht nur .... geht nur Kinder . . . ." rief der Kommerzienrat „und vergeht alles Unschöne und Unerfreuliche in dieser gottbegnadeten, herrlichen Sommernacht . . . ." Sein Blick stieg zum Himmel empor, der jetzt jene wundersame, tiefdunkelblaue Färbung angenommen hatte, wie sie nur über den Wassern sich ausbreitet. Mit funkelnden Sternen war das Firmament dicht besät. Mit leisem Gruß hatten die jungen Leute sich entfernt. Sinnend sah der Vater ihnen nach,- wie sie inr Dunkel des Gartens verschwanden. Dann wandte er sich langsam zu den Beiden .... „Das trägt nun die Kröne und — die Bürde einer jahrtausende alten Tradition auf zarten Schulter hinaus ins Leben ..." „Sie wird ihnen leicht werden, wenn sie der Würde sich bewußt bleiben, die eine Krone'in sich schließt . . . ." sagte Frau Sofie mit Nachdruck. ' Die beiden Männer sannen ihrem Worte nach. „Wollte es Gott!" sprach der Rabbiner, und wie ein. Segensspruch klang es hinaus in'die schweigsame Nacht. * -i-. Dr. Seligsohn hatte den Bitten seiner Verwandten nachgegeben, und seinen Besuch bei ihnen um eine ganze Woche verlängert. Schon für einen der nächsten Tagefürchtete Frau Sofie neuerliche Aufregungen, da ihr Mann