Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 37)
- Language
- German
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238 Max, dem Mitinhaber der Firma, eine Unterredung an- Hekündigt hatte/ die mit den Vorgängen im Hause Julius Löwenbergs im Zusammenhang stand, und es schien ihr "daher gut, wenn sein Freund und Vetter bei ihm war. Obwohl die beiden nächsten Tage ohne besondere Anzeichen verliefen und man behaglich und ruhig die Wundervolle Sommermuße am Seestrande genoß und der Annehmlichkeiten und Schönheiten dieses Daseins sich erfreute, lag es doch wie in Erwartung kommender Dingeüber aller. Gemüter und mit Ausnahme der Enkelkinder, die in ahnungsloser Glückseligkeit sich im Weißen Dünensand tummelten oder durch den Garten tollten, hatte eine gewisse Befangenheit sich aller bemächtigt. Und nicht allzu lange sollten sie darauf warten. Am Mittwoch Vormittag hatte der Kommerzienrat Max zu sich beschieden. Auch seine Gattin, ohne deren Uebereinstimmung er schwerwiegende Entschlüsse nicht ausftihrtc, und sein Vetter Seligsohn, waren bei diesem Gespräch zugegen Von viel größerer Tragweite aber war es, als sie vermutet hatten. Samuel Löwenberg erklärte, aus der Firma Gebrüder Löwenberg ausscheiden zu wollen In schreckhafter Erschütterung faßte seine Frau nach seiner Hand, als wolle sie ihn besänftigen und von so schwerer Entschließung zurückhalten, und Max fuhr empor und rief mit einem Tone, in dem Zweifel und Schinerz sich mischten: „Du, Vater? Du!" Auch Dr. Seligsohn war im ersten Augenblick ganz fassungslos, dann aber sagte er: „Weshalb Du, Samuel, wie kommst Du dazu . . .? Dieses Haus .... Diese Firma ... es ist unmöglich . . . .!" „Dieses Haus, diese Firma, die in vierzig Jahren schwere Krisen überdauert, Krisen kaufmännischer, materieller Natur und fest stand und nicht wankte, soll nicht bestehen bleiben, wenn moralische Morschheit die Grundpfeiler erschüttert . . . er sah den Rabbiner bedeutungsvoll an, „es ist beschlossene Sache . . . ich habe mein Lebelang als ein kühler, nüchterner Mann an der Größe und dem Gedeihen dieses Hauses gearbeitet, und nun