Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 35)
- Language
- German
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befürchten ist, er habe jedes Uebergewicht, jedes maßgebende Urteil im Kreise seiner Familie verloren. So hätte -er nie geschrieben ohne den Einfluß anderer . . ." ^Vielleicht ist es schon das arische-Blut oder richtiger, die arischen Instinkte Tante Malis, die ihn zu dieser rücksichtslosen Form der Mitteilung veranlaßten . . sagte Betty, die mit dem Stolze, die Tochter Heymann Lefsers zu sein, einem der. hervorragendsten Juden Berlins, den Geist und Witz eines in glücklichster.Unabhängigkeit -ausgewachsenen Mädchens verband. „Spötterin!" sagte ihr Mann, dem man aber änfah, wie er' sich über die wenn auch etwas boshafte, witzige Bemerkung seiner Frau freute. Er wüßte, daß auch sein Vater dieser Art seiner Schwiegertochter nicht abhold war. „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott, nicht Lu sorgen," gab sie zurück. „Ich wette übrigens, daß ganz Berlin-Tiergarten sich in diesen Tagen mit nichts Anderem beschäftigt, wie mit diefem Uebertritt zweier Leute, die bereits über die Jahre hinaus sind, um ein Kapitel zum „alten und neuen Glauben" zu liefern, das seit David Friedrich Strauß seine Grundideen wohl iaum im Stammgut derer von Wörlitz und in den Aktien der Biesendorfer Brauerei gefunden hat . Unendlich hochmütig klangen ihre Worte. „Na, den Tratsch," rief Georg, „und die faulen Witze! Ich höre förmlich, wie Kurt Sternheim sagt, die alten Löwenbergs haben sich nur getauft, weil die Direktor Sperlings christlichen Umgang haben wollen . . ." „Au! Junge," rief Arthur, „die alten Kalauer. „Glaubst Du etwa, daß sie zu Ehren des „neuen Löwenbergschen Glaubens" auch neue Witze machen werden?" In diesem Augenblicke erhob sich Betty. Sie empfand, daß über allen diesen Scherzen sich wieder jenes bedrückende Gefühl ausbreite, das ihre Schwiegereltern und Dr. Seligsohn doch nur sehr schwer abzuschütteln vermochten, wenn sie es auch versuchten, mit leichten Worten ihnen darüber hinwegzuhelfen.