Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Nach einer Weile Hub der Kommerzienrat wieder an:. „Ich weiß nicht, was aus jener Zeit Dir bekannt ist. Es war kurz nach 3>einer Barmizwoh, als ich Deinem Vater zum ersten Male von meiner Absicht sprach, mich zu etablieren. Ich war damals 23 Jahre alt und dieser Abend und das Gespräch blieben mir unvergeßlich. Es war im Spätherbst, am Tage nach Jom Kippur. Noch stand ich unter dem Eindruck der gottesdienstlichen Handlungen des Versöhnungstages. Gebete und Gelübde hallten in mir nach und da ich ein sehr frommes und gläubiges Gemüt hatte, so fühlte ich mich wirklich ein entsühnter, reiner Mensch, dessen Entschlüsse segensvoll sein müssen. Etwas ähnliches sagte ich zu Deinem Vater, den ich heimbegleitete von einem Besuche, den er seiner Schwester, meiner Mutter, abgestattet hatte. Er sah mich mit sehr erstaunten Blicken an und fragte: „Wozu?" und dann mit einem pfiffigen aber gutmütigen Lächeln: „Womit?" Im ersten Augenblick war ich von der Kürze und Logik seiner Antwort ganz perplex. Dann aber faßte ich mich rasch und sagte: „Wozu? Um aus dieser engen beschränkten Welt heraus zu kommen, um vorwärts zu kornmen, um zu arbeiten, uni zu verdienen, um etwas zu werden ..." „Und womit?" fragte er nochnrals. Mein Vater muß uns was dazu geben, denn den Israel nehme ich auch mit, und . . . und . . . Du auch Onkel Hirsch", er galt nämlich für den Rothschild der Familie, „und . . . und . . . Onkel Berger und Tante Pinchen, und Onkel Feinberg, . . . kurz, die ganze Mischpoche, unterbrach er mich und lachte. Aber obwohl ich dunkel empfand, daß er mich eigentlich auslachte, zog doch ein sehrbehagliches und wohltuendes Gefühl durch meine Seele. Wie jemand, der sich geborgen fühlt im sichern Schutz und Wohlwollen eines Menschen, dem er vertraut. „Ja, die ganze Mischpoche!" gab ich mit einem gewissen Trotz zur Antwort. Und er erwiderte darauf nur mit einen: gewissen feierlichen Ernst: „Merke Dir dieses Wort, Samuel, und lerne seinen Inhalt verstehen!" Wie oft mußte ich an dieses Wort denken, immer wieder, wenn