Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 22)
- Language
- German
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223 daß ich mich völlig von ihm lossage, von ihm und seiner ganzen Sippschaft. Die von Wörlitz-Löwenberg-Bendel mögen den Familienanhang suchen, der ihrer würdig ist, in der Abraham Bendel'schen Mischpoche!" Dieser aus Leid und Hohn genaschte Ausruf schien sein gepreßtes Herz zu erleichtern, „und nun sollst Du auch erfahren, wieso mein Bruder Julius zu dieser Heirat kam". Er machte eine kleine Pause und sah nachdenklich vor sich nieder, als überlege er, was er zu sagen habe, um dem Manne an seiner Seite, gerade ihm, verständlich zu werden, seinem Vetter Moritz, dem Sohn von Hirsch Seligsohn. Erwartungsvoll harrte dieser der Mitteilungen seines Vetters, dem er, obwohl der viel jüngere, stets sehr nahe gestanden. Nicht nur das verwandtschaftliche Verhältnis, sondern eine innige Freundschaft verband die beiden Männer. Um so auffallender war es, daß er über diesen Punkt noch nie mit ihm gesprochen hatte. Die Ehe und das Haus Julius Löwenbergs wurde wie ein Fremdes, Unerfreuliches, Unverstandenes im Familienkreise, stets mit Stillschweigen übergangen. Man scheute sich, Mißbilligung und Uebelwollen zu äußern, man war zu vornehm, um die Aergerlichkeiten, die von dort herkamen, durch Zank und Streit zu vermehren, und suchte, so weit es irgend anging, den äußern Frieden aufrecht zu erhalten und die Formen zu wahren, die die verwandtschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen der Brüder mit sich brachten. Frau Sofie unterstützte ihren Mann darin. Wie er, war auch sie allem abhold, was Aergernis erregen, Aufsehen machen konnte und so ertrugen sie beide die Geschmacklosigkeiten und Albernheiten der Schwägerin nachsichtig, die Haltlosigkeit und Schwäche des Bruders mitleidig, und suchten, so weit es anging, zu beschönigen und zu vertuschen, was ihnen selbst im höchsten Grade unleidlich war. Die Autorität des Kommerzienrats, die Klugheit und vornehme Haltung seiner Frau ermöglichten so ein scheinbar gutes Einvernehmen herzustellen, und niemand von den jüngern Famllienmitgliedern wagte es anders, als hie und da mit leichtem Spott diese Dinge zu be-