Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 15)
- Language
- German
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216 Gegensatz noch intensiver. Ein ideales Wohlbehagen schien von jedem einzelnen Gegenstände auszuströmen. Wundervolle Arrangements aus frischen Blumen milderten die vornehme Pracht zu heiterem Glanze. Mit frohem Stolze blickte Kommerzienrat Löwenberg sich in dem Zimmer seiner Frau um. Es erfreute ihn stets aufs neue, wie sie es so ganz erfüllte mit dem Abglanz ihrer Persönlichkeit. Seine Schwägerin folgte seinem Blick und fragte: „Ihr habt wohl wieder etwas neues gekauft, weil Du Dich so umsiehst, Samuel?" „Ich freue mich mit all dem Schönen, was wir Gott sei Dank schon seit Jahren besitzen. Wir haben, seit wir damals dieses Haus einrichteten, wenig hinzugekaust. Aeltere Leute, wie wir, nehmen sich immer am besten aus mit den Dingen in ihrer Umgebung, die ihnen lieb und vertraut sind, mit denen sie sich gewissermaßen verwachsen fühlen ..." antwortete er liebenswürdig. Marie, die in echter Parvenümanier immer das zu haben wünschte, was sie bei anderen sah und fortwährende Veränderungen in ihrer Wohnung vornahm, verstand seine Anspielung nicht. „Kunststück, wenn man alles hat!" Er lachte und sagte: „Na, bei Euch fehlt es auch nicht ..." „Warum auch, wir haben es ja dazu", rief sie laut und ließ sich am Teetisch nieder. Ihr Mann zuckte zusammen, peinlich berührt von dieser Redensart, die sie mit Vorliebe im Munde führte. Sofie goß den Tee ein. Jetzt war es wieder der Teetisch, der Mariens Aufmerksamkeit auf sich lenkte. „Merkwürdig, wie schön sich das Silber und das Teeservice bei Euch ausnimmt . . ." sie drehte eine Tasse um und sah nach dem Abzeichen. „Wunder! Ein Bienenkorb! Alt-Wien!" Sie hatte aus diesen Tassen schon unzählige Male Tee getrunken, wollte sich aber doch die Gelegenheit nicht