Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 14)
- Language
- German
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215 können . . . aber Max laffe nur, bitte, aus allen derartigen Kombinationen". „Gott, Konsul könnte er schon längst wo sein", sagte sie eigensinnig, „das kostet wirklich nicht alle Welt. Felix Hirschmann hat das Exe . . . Exe . . ." „Exequatur!" half er chr aus. „Ja, das Exequatur, vorige Woche bekommen und ist nicht viel älter als Max. Und ich sage Dir, es ist doch was ganz anderes, wenn Du Deine Familie vorstellen kannst: meine Schwägerin, Frau Kommerzienrätin Maria Löwenberg, mein Sohn, Konsul von ..." Jetzt lachte er laut auf. „Wir suchen mal zusammen ein nettes Ländchen aus." „Ach, spotte nur nicht. Die Frauen helfen überall bei solchen Sachen ihren Männern. Ist denn Sofie nicht bei allen Wohltätigkeitsvereinen? ..." „Sofie tut nichts, wozu nicht ein edler Sinn und ein gütiges Herz sie treibt." Es lag eine sehr scharfe Zurückweisung in seinen Worten und die Kommerzienrätin, die bis dahin stillschweigend deni Gespräch gefolgt war, erhob sich schnell und rief, um der Situation eine freundliche Wendung zu geben, scherzhaft: „Im Augenblick treibt mein gütiges Herz mich. Euch eine Tafie Tee anzubieten. Lieber Schwager, darf ich bitten ..." Sie hatte ein elektrisches Glockenzeichen gegeben. Wie von unsichtbaren Händen berührt, flogen die Flügeltüren zum Empfangszimmer der Hausftau auf. Sie nahm den Arm ihres Schwagers, der sich bei ihrem Anruf müde aus seinem Sessel erhoben hatte. Der Kommerzienrat führte mit vollendeter Weltmannsmanier seine Schwägerin. In reizender Behaglichkeit präsentierte sich der Raum, den sie betraten. Der Luxus der Ausstattung hatte nichts aufdringliches, prahlerisches. Es war ein fast kreisrundes Gemach, dessen breites Fenster den Ausblick nach dem Tiergarten gewährte, der im bunten Blätterschmuck des Herbstes von einer müden, schwermutsvollen Stimmung durchschauert schien. Die weiche, heitere Anmut, die über dem Zimmer Frau Sofiens ruhte, wirkte durch den