Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 13)
- Language
- German
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214 repräsentative Kaufmannschaft heranzubilden .... und mir als Seniorchef eines so bedeutsamen industriellen Unternehmens, wie das unsere Gott Lob war und ist, fiel daher die Auszeichnung zu . . . „Du hattest eben Glück -. . ." meinte sie. „Und in unseren Tagen verkaufte man sein Erstgeburtsrecht nicht mehr für ein Linsengericht ..." „Was willst Du damit sagen?" fragte sie mit sehr einfältigem Gesicht. „Ja sieh mal, noblsss« oblige!" „Sind wir etwa nicht nobel genug? . . ." fuhr sie auf. „Wer liebe Marie . ..." er betonte den Namen nachdrüMch, „ich dachte nur an das große Verantwortungsgefühl, das dieser Vorzug auferlegt." Offenbar hatte sie ihn auch jetzt nicht verstanden, denn nur ihrem eigenen Gedankengang folgend, sagte sie: „Du meinst also, Julius soll in der Sache vorläufig nichts weiter tun?" „Ja, das meine ich!" „Und, glaubst Du . . . könntest Du uns nicht ein bischen behilflich sein? Es wäre doch wegen unserer Kinder . . . und es wäre Dir doch gewiß auch angenehm, wenn Dein Bruder . . ." ein lauernder Blick glitt zu Sofie hinüber, „und wenn beide Brüder der Firma Kommerzienräte wären, so würde doch später einmal der dritte Mitinhaber gewiß auch . . . ." „Du denkst zu weit" antwortete er, jetzt sehr ernst geworden. „Viel zu weit, beste Schwägerin. Max soll tüchtig und korrekt im Geschäft sein, er soll begreifen, daß die Arbeiter eine Macht sind, mit der wir zu rechnen haben, die wir respektieren sollen und deren soziale Voraussetzungen wir verstehen und würdigen müssen. Das sind die ersten Aufgaben, die die junge, moderne Kaufmannschaft nnd Großindustrie zu lösen hat . . . Fragen der Eitelkeit und des Ehrgeizes kommen dabei nicht in Betracht. Uns alten Herrn nimmt man das nicht weiter übel ..." fügte er jovial hinzu, „es kleidet uns wirklich ganz gut und ich hoffe, daß Julius", wieder betonte er den Namen scharf, „sich dieser Titulatur auch wird,erfreuen