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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 213

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 213 (sequence 12)
Language
German
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213 Samuel Löwenberg runzelte die Stirn. Das Benehmen seiner Schwägerin, obwohl er sie nicht anders kannte, war chm immer aufs Neue ärgerlich, die Schwäche seines Bruders berührte ihn peinlich und schon wollte er zu einer Antwort sich Hinreißen lassen, als ein Blick auf seine Frau seinen Unmut wieder sänftigte. „Ich habe Dir schon so oft gesagt, lieber Julius, daß Du ruhig abwarten sollst bis die Auszeichnung auch an Dich kommt. Du hast in dem großen Betrieb unserer Spinnereien und Webereien Dich stets als sehr verdienstlich um das Wohl unserer Arbeiter gezeigt . . . ." „Das sag' ich ihm doch auch immer," mischte Mali sich ein, „an nichts haben wirs fehlen lassen. Arbeiterhäuser haben wir gebaut, Erbauungs- und Erholungsstätten errichtet, in die Gärtchen habe ich mich gesetzt zu den Frauen und dreckigen Kindern, und habe mich „Humanitär" mit ihnen unterhalten, zum Kirchenbau in unserer Arbeiterkolonie habe ich erst voriges Jahr aus meiner Privatschatulle 6000 Mark gespendet . . . ." „Ich glaube. Du tust eher zu viel, liebe Schwägerin", sagte der Kommerzienrat und ein unmerkliches Lächeln umspielte seinen Mund. „Die Firma hat getan, was den großen Aufgaben der Industriellen entspricht. Die Fürsorge für die Arbeiter ist eine soziale Pflicht, sich ihr entziehen zu wollen wäre ebenso unberechtigt wie unklug. Was das Herz uns in solchen Dingen nicht sagen würde, müßte uns der Verstand lehren ..." „Nu ja, ich tue es doch auch nur aus Klugheit . ." rief sie unbedacht. Das Lächeln auf seinen Lippen wurde stärker und hatte einen sichtlichen Anhauch von Ironie. „Dann aber bitte, sei auch so klug, geduldig zu warten. Das Vorrecht der Erstgeburt hat mich nun einmal in die erste Reihe gestellt. Du mußt nicht vergessen, daß meine Ernennung in die Zeit der großen Umwälzungen fiel, die das neue deutsche Reich, die gewaltigen politischen Ereignisse mit sich brachten. Der Staat war damals darauf bedacht, auch in äußerlichen Dingen eine

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