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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 210

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 210 (sequence 9)
Language
German
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210 „Also schön!" unterbrach er sie lächelnd, „übrigens etwas muß man von Haus aus dazu mitgebracht haben ... und das hast Du, meine geliebte Sofie ..." Er kicherte vergnügt, „meine gebenschte Sorel". Sie lachte und drohte schelmisch mit dem Finger. „Aber Herr Kommerzienrat!" „Ich weiß, ich weiß! Aber wenn wir,so ganz unter uns sind, da darf ich mich Wohl unseres alten, lieben Lebens erinnern, dort in Weißenburg, wo die Wiege unseres Glückes gestanden, wo wir angefangen und emporgekommen sind und wo ... wo meine gebenschte Sorel wie ein guter Engel waltete, und mit ihrer Klugheit und Fürsorge und . . . und — Frömmigkeit Segen brachte über mein Haus!" Nachdenklich blickte sie vor sich hin und dann sagte sie mit in leichter Verlegenheit bebender Stimme: „Und ... und Frömmigkeit? Samuel"! Er verstand, was sie meinte. „Im Herzen sind wirs geblieben, meine geliebte Sofie! Wenn auch das große Leben und die moderne Zeit manches abbröckelt von den alten Formen. Me werden wir aufhören, treue Juden zu sein; treu dem Glauben, stolz auf unsere Ueberlieserung, wenn auch äußerlich sich manches gewandelt und wir Konzessionen gemacht, die in der Welt in der wir jetzt leben, in der wir unsere Kinder erzogen, nicht zu vermeiden waren. Leicht ist es nur, weiß Gott, nicht geworden . . .", er sah sich mit einem zwischen Wehmut und Befriedigung schwankenden Lächeln um, „und wenn ich hier mich so zwischen alten und neuen Meistern finde, so gewährt es mir doch eine tiefinnerliche Beruhigung . . . Sieh mal dort . . ." Sie war mit den Augen seinen Bewegungen gefolgt. . . . „Dort!" . . . Jetzt lachte sie. Ein warmes, leises, wohlklingendes Lachen. Und beider Blicke hingen am Türpfosten, wo hinter einer kostbaren Seidenportiere eine kleine, von fein ziselierter silberner Hülse umschlossene „Mesusa" sich befand. „Dort"!

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