Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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199 heiten verkündet werden. Es lag gewiß nicht in des Dichters Natur, seinen Verfolgern Haß nachzutragen, aber er hatte unterdessen in der Welt bittere Erfahrungen gemacht, und zweifellos zitterte in ihm noch die Erregung nach, als er sich an die Behandlung erinnerte, die ihm vor Jahren widerfahren war. Er kennzeichnet in seinem allegorischen Gedicht die leichtgläubige und leicht zu betörende Menge, die jedem Wortmacher nachläuft. In einer Szene läßt er den Verstand, den Rechtssinn und die Geduld austreten; wobei der Verstand bitter klagt: ״Wohl Hab ich es gesehen, wie das Unrecht hochkommt und sich mit Frevelmut nnd Frechheit verbindet. Ein zahlreicher Pöbel folgt ihnen blindlings, und die Männer der Wahrheit werden tief gedemütigt. Ein redlicher Mensch kann sich nicht mehr sehen lassen; Fromme und Unschuldige werden verhöhnt . . . O, ich kenne die Menge uud ihr Geschwätz und ihren Wankelmut. Vergebens mühen wir uns ab, die betörte Menge auf die richtige Bahn zu bringen. Sie hört auf die Worte der Wahrheit gar nicht. Denn so leicht es chr ist, jeder Verführung zu folgen, so schwer ist es ihr, Wahrheit und Recht zu erfassen!" Auch der Rechtsinn klagt bitter darüber. Nur die Geduld mahnt, die Hoffnung nicht aufzugeben, da doch am Ende Vernunft und Recht siegen müsse. Das tritt in diesem Lehrgedicht, das eigentlich nur Dialoge bringt, zum Schluß noch ein. Hochmut und Oberflächlichkeit werden zu schänden, und der Rechtsinn wird jetzt auch von der Menge in seinem Verdienst anerkannt. Die schönen Gedanken, die Luzzatto in diesem Drama behandelt, werden, wie gesagt, in verschiedenen Dialogen und Monologen ausgedrückt, und an vielen Stellen gibt uns der Dichter seine Auffassung von den Erscheinungen in der Natur und der Optik. Das schönste an diesem Drama ist die herrliche Sprache, die Luzzatto neu geschaffen hat. Auch im Versmaß wich er von den vorhandenen Formen ab, um einen neuen und wohMngenderen Rhythmus zu wählen. ״Jede Eigen-