Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 25)
- Language
- German
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196 geführt, einen neuen Sohar verfaßt habe, ebenso einen neuen Psalter, der den biblischen verdrängen solle. Das venezianische Rabbinat sei verpflichtet, dagegen einzuschreiten, zumal bereitsdieRabbiner von Deutschland, Polen, Holland und Dänemark einen Beschluß gefaßt hätten, diese ketzerischen Schriften zu verdammen. Jeder Jude sei verpflichtet, was sich in seinen Händen von Luzzattos Schriften, Briefen und Gedichten befindet, binnen zwei Wochen dem venezianischen Rabbinat oder dem Rabbinat seines Wohnsitzes auszuliefern, andernfalls verfalle er ebenfalls dem über Luzzatto verhängten Bann. Das war nun Bassan, der stets treulich zu seinem Schüler gehalten hatte, doch zu viel. Er richtete am 10. November 1735 ein energisches Schreiben an die Gemeinde- Vorsteher von Mantua und an den Rabbiner Abiad Sar- Salom Basila (David Finzi, der Schwiegervater Luzzattos, war damals bereits gestorben) und forderte sie auf, sich Luzzattos anzunehmen oder anzugeben, ob und was sie an Luzzatto Verdächtiges gefunden hätten. In Modena trat das Rabbinat am 17. November zusammen, um für Bafian und seinen Schüler Luzzatto Partei zu ergreifen. Auch von Mantua traf ein Schreiben des Rabbinats vom 19. November ein, das sehr lobend für Luzzatto lautete. Daraufhin richtete Bassan am 22. Dezember Briefe an die Rabbiner von Frankfurt und Fürth, in welchen er mit aller Entschiedenheit die gegen seinen Schüler erhobenen Anklagen zurückwies. Das Rabbinat von Venedig habe sich über Luzzatto die Jurisdiktion angematzt, das von ihm gefällte Urteil beruhe auf der Aussage unzuverlässiger Zeugen. Jakob Belillos habe sich vor Jahren in Livorno hinter einen spanischen Offizier gesteckt, um durch seinen Einfluß die Rabbinerwürde zu erlangen. Salomo Salman sei ein Fälscher und Charlatan, der Monate lang seine, Bassans, Gastfreundschaft genossen habe und nun ihm mit Undank lohne. Chages sei Wohl ein bedeutender Mann, aber hochfahrend und dem Frieden abgeneigt, da er mit aller Welt Händel anfange und gerne Leute verlästere. So passierte es ihm vor einiger Zeit, daß er einen Rabbiner