Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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194 da nicht auf eine zarte Behandlung des Theosophen rechnen, der. mochte er noch so geirrt haben, doch nur nach Wahrheit und Gotterkenntnis strebte. Es war daher ein glücklicher Gedanke von ihm, daß er sich nach der schmachvollen Behandlung, die ihm in Frankfurt Widerfahren war, nach Amsterdam begab. Dort wurde er von den portugiesischen Juden, die sich selbst in den schlimmsten Zeiten noch einen Rest von Liebe und Empfänglichkeit für die hebräische Poesie gewahrt hatten, überaus freundlich ausgenommen. Die Gemeinde bewilligte ihm einen Ehrensold, auch unterichtete er im Hause eines reichen Glaubensgenossen, namens Mose de Chuves. Um den bösen Leumund, den chm die Ketzerrichter in Venedig angehängt hatten, kümmerte man sich in Amsterdam nicht im mindesten. Luzzatto, der in seiner vornehmen Denkart keine Geschenke annehmen wollte, lernte dort Diamenten schleifen (nicht das Schleifen von optischen Gläsern, wie es bei Grätz heißt). Er ließ bald seine Eltern von der glücklichen Wendung seines Schicksals wissen. Jakob Luzzatto vermietete sein Haus in Padua und kam bald mit Frau und Kindern ebenfalls nach Amsterdam, wo ihm eine sehr freundliche Aufnahme zu teil wurde. Er fand seinen Sohn Mose Haim von allen geliebt und geehrt und in froher Stimmung. Der Dichter selbst schrieb am 27. Oktober 1735 an seine Freunde in Padua und teilte ihnen die glückliche Ankunft seiner Eltern und Geschwister, sowie seiner Frau und Kinder in Amsterdam mit. Er war darüber sehr glücklich. Seine Freunde munterte er auf, vom Studium der Kabbala nicht zu lassen. Sie sollten niemand fürchten. ״Hier ist nichts Neues. Ich kann meine Studien ungestört fortsetzen. Die Leute hier sind mir sehr zugetan, wie es in ihrer Natur liegt". Sein Vater Jakob schrieb am Schluß dieses Briefes an die Freunde seines Sohnes und teilte chnen mit, daß sein Sohn in Amsterdam überall Liebe und Verehrung fand. Seine Verfolger in Italien und in Deutschland seien hier machtlos. In Amsterdam sei das Gerücht verbreitet, daß Jakob Belillos, der Luzzatto verfolgt hatte, wahnsinnig geworden