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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mose Haim Luzzatto
Date
1907-01-01
Page
Seite 193 (sequence 22)
Language
German
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193 David Finzi mit der Bitte zuschickte, ihn in seiner Wohnung zu empfangen. Der Rabbiner gewährte chm diese Bitte, aber der Empfang gestaltete sich sehr unfreundlich. Jakob Kohen, der von Luzzattos Verketzerung bereits gewußt haben mußte, stellte ihn heftig darüber zur Rede, daß er seine Zeitgenossen mystifizierte und in den Fußtapfen Sabbetai-Zewis wandelte. Er drang in den Dichter, ein offenes Schuldbekenntnis abzulegen und fortan von der Beschäftigung mit der Kabbala zu lasten. Luzzatto versuchte zwar sich zu rechtfertigen. Er sei verleumdet worden und habe nichts gegen das Judentum getan. Aber der Rabbiner blieb dabei, daß Luzzatto vor dem versammelten Rabbinat ein Schuldbekenntnis unterfertige. Nach vielem Drängen entschloß sich der verschüchterte und tief gequälte Dichter am 28. Dezember Folgendes niederzuschreiben: ״Ich schwöre hiermit und verpflichte mich unter der Schwere des großen Banns als Ergänzung der bereits von mir in Gegenwart meines Lehres Jesaja Baffan übernommenen Verpflichtung, daß ich von nun ab keinen Menschen, wer es auch sein mag, in der kabbalistischen Lehre etwas mitteilen werde, sei es aus einem Buch oder mündlich, und auch aus keinem Buch der bewährten Kabbalisten. Ich behalte mir nur vor, daß, wenn ich das vierzigste Lebensjahr erreiche, mir dann gestattet ist, vor Schülern, die ebenfalls das vierzigste Lebensjahr erreicht haben müssen, über die Schriften Isaak Lurja's vorzutragen. Möge Gott meinem Leiden ein Ende machen. Am 3. Tebeth 5495. Mose Hcüm Luzzatto." Eine Abschrift dieses Schriftstücks wurde von Frankfurt aus an Chages und an viele Rabbiner verschickt. Tief gedemütigt verließ Luzzatto Frankfurt. Daß er in Deutschland als Dichter bei seinen Glaubensgenoffen keine gute Aufnahme finden würde, mußte er Wohl gleich eingesehen haben. In den Ghettis von Deutschland und Polen hatte man damals Jntereffe und Verständnis für alle Spitzfindigkeiten, für ausgeklügelte Verdrehungen des Bibelwortes, für Zahlenmystik, für Notrikons und ähnliche Albernheiten, aber nicht für die liebliche Muse eines Luzzatto. Auch konnte der Dichter 13

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