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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 192

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mose Haim Luzzatto
Date
1907-01-01
Page
Seite 192 (sequence 21)
Language
German
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192 mitgeteilt; natürlich auch Mose Chages, der damals in der ganzen Judenheit stillschweigend als Oberketzerrichter anerkannt gewesen zu sein scheint. Daß Chages dafür gesorgt hat, die Verurteilung Luzzattos überall bekannt werden zu lassen, braucht nicht erst gesagt zu werden. Das Rabbinat von Padua verhielt sich Passiv. Es scheint das rücksichtslose Vorgehen der Herrn von Venedig gegen den stillen und friedfertigen Mystiker nicht gebilligt zu haben, hatte aber nicht den Mut, gegen diese Anmaßung aufzutreten und Luzzatto in Schutz zu nehmen. Nur der greise Bassan ließ den Verfolgten nicht im Stich und unternahm mutig den Kampf, ihn zu rechtfertigen. Aber Luzzatto sah indessen ein, daß er in Italien nicht mehr bleiben konnte. Er mußte zum Wanderstab greifen. Bereits am 26. November, also bevor noch der Bann über ihn verhängt war, — daß es dazu bestimmt kommen würde, hatte man ihm von Venedig mitgeteilt — verließ er nach einer überaus aufregenden Abschiedsszene seine Familienangehörigen und reiste ab. Er nahm seinen Weg über Bozen, von wo aus er am 4. Dezember einen Brief an seine Freunde richtete. Rührend ist die Einleitung dieses Briefes: ״Wollte ich Euch schildern, wie vereinsamt ich mich fühle und wie schwer mir der Abschied von Euch geworden ist, so würde meine Kraft nicht ausreichen, es auszusprechen oder auch nur daran zu denken, geschweige denn, das niederzuschreiben. Seitdem ich allein bin, komme ich mir vor, wie ein aus dem Körper gerissenes Herz.-- Aber wir dürfen nicht murren gegen Gottes Fügung, sondern wir müssen schweigen und vertrauen, daß Gott alles zum Guten wendet. Dessen mögt ihr überzeugt sein, daß ich mit meinem Herzen stets in Eurer Gesellschaft bin, ich werde niemals Eure Liebe zu mir vergessen." Luzzatto forderte seine Freunde auf, von. ihren kabbalistischen Studien nicht zu lassen, und unter sich stets Frieden zu halten. Vom Siege der guten Sache sei er überzeugt. Von Bozen reiste Luzzatto nach Frankfurt a. Main. Dort angelangt, schrieb er an den Rabbiner Jakob Kohen, dem er das Empfehlungsschreiben seines Schwiegervaters

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