Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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190 der Sohar mit einem Kommentar Luzzattos gedruckt werden sollte. Die Rabbiner von Venedig traten darauf zu einer Beratung zusammen. Jakob Belillos bezeugte jetzt vor ihnen, er habe anläßlich der Untersuchung, die er im Sommer 1730 gegen Luzzatto geführt, von einem Schüler Luzzattos gehört, daß sein Meister einen Psalter verfaßt hätte, der dereinst dem biblischen Psalter verdrängen würde, da er einen höheren Wert besäße. Auch habe Belillos bei Luzzatto handschriftliche Beschwörungsformeln gesehen. Mt dieser Aussage kam er erst jetzt nach vier Jahren. Dasselbe bezeugt auch Mose Menahem Merari, nur fügte er hinzu, daß er nicht wisse, ob es wirklich die Handschrift Luzzattos gewesen sei. Ueber die andern verdächtigen Momente habe ihm damals Luzzatto eine Aufklärung gegeben. Auf Grund dieser, immerhin nicht einwandsfreien Aussagen beschloß das venezianische Rabbinat am 11. November 1734, nach Padua eine Untersuchungskommission zu senden. Diese Kommission war zusammengesetzt aus den bereits erwähnten Belillos und Merari, zu denen sich noch Gabriel Padovani gesellte. Diese Männer sollten Luzzatto nochmals verwarnen und ihm das Versprechen abnehmen, daß er fürderhin keine Vorlesungen über Kabbala abhalten und auch ohne Genehmigung des venezianischen Rabbinats keine kabbalistischen Schriften veröffentlichen würde. Luzzatto empfing diese Sendlinge ruhig, weigerte sich aber entschieden, auf ihr Ansinnen einzugehen. Er habe das von ihm im Sommer 1730 gegebene Versprechen eingehalten. Wenn er vor wenigen Genossen über Kabbala spreche, so heiße dies keine Veröffentlichung, solange er ihnen nichts schriftlich gebe und auch nichts drucken lasse. Was er aber durch den Druck zu veröffentlichen gedenke, dafür werde er zuerst die Approbation seines Lehrers Bassan erbitten. Als jedoch die Abgesandten von Venedig dringlicher wurden und gegen Luzzatto einen inquisitorischen Ton anschlugen, verlor er endlich die Geduld und verbat sich entschieden jede Einmischung des venizianischen Rabbinats. Er sei garnicht verpflichtet, sich der Jurisdiktion von Venedig zu