Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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188 amt erhalten haben, oder sie soll ihm für die nächste Zeit in Aussicht gestellt worden sein. Es begann nunmehr eine ruhige Zeit für den jungen Dichter, der sich seitdem wieder der hebräischen Muse hingab. Wir besitzen von ihm aus jener Epoche manche schöne Gedichte, worin sich Luzzattos meisterhafte Beherrschung der hebräischen Sprache und ihrer poetischen Feinheiten zeigt. Im Jahre 1732 oder 1733 befand sich Luzzatto in Mantua, wo er sein schönes Gedicht „Die Gleichnisrede" veröffentlichte. In diesem Gedicht, das er einem Freunde als Hochzeitsgeschenk widmete, ließ er die Dreistigkeit und die Furchtsamkeit personifiziert auftreten und untereinander streiten, worauf von ihnen die Weisheit als Richterin angerufen wird. Diese entscheidet vermittelnd, indem sie in jeder Eigenschaft das Gute nachweist. Dreistigkeit gewähre Mut, und die Furchtsamkeit bedeute zarte Schüchternheit. Beide gepaart, wie dies bei dem mutigen Bräutigam und der zartschüchternen Braut der Fall sei, gebe eine gute Verbindung ab. Man mich dieses schöne und sinnige Gedicht im Original lesen, um dessen Reiz ganz zu würdigen. Es gefiel auch in Mantua außerordentlich, und da Luzzatto auch sonst einen höchst angenehmen Eindruck machte, so erwarb er sich die Gunst der Zippora Finzi, der Tochter des dortigen Rabbiners David Finzi. Luzzatto schrieb an seine Eltern und erbat sich ihre Zustimmung zu seiner Verlobung mit diesem Mädchen. Dies taten die Eltern freudig, und bald darauf fand auch die Hochzeit statt, bei welcher Gelegenheit das Brautpaar von verschiedenen weiten nicht wenig angesungen wurde. Indessen war Luzzatto von der Kabbala zu tief umstrickt, als daß erfich von ihr für immer hätte lossagen können. >Lchon am 12. Mai 1734 beendete er eine Schrift über „die Grundprinzipien der Geheimlehre", eine kabbalistische Dichtung über die Befreiung Israels aus Aegypten, die übrigens manche sehr schöne Strophen enthält, ferner eine Dichtung über die Offenbarung am Sinai und endlich einen methaphysischen Dialog zwischen der Vernunft und der Seele. Zu dieser letzten Schrift, die unstreitig