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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 180

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mose Haim Luzzatto
Date
1907-01-01
Page
Seite 180 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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180 Indessen gegen die Kabbalisten, insbesondere gegen solche, die sich mit messianischen Weissagungen befaßten, herrschte seit dem unglücklichen Ende Sabbetai-Zewis großes Mißtrauen. Die Bewegung, die dieser ungewöhnlich begabte und iit seiner Persönlichkeit überaus interessante Pseudo-Messias hervorgerufen hatte, wird zweifellos von einem großen Gedanken, oder wenigstens von einem großen nationalen Impuls ausgegangen sein. Hat sie doch die ganze Judenheit umfaßt, die morgen- und die abendländische, die gelehrten und gebildeten Juden, wie die unteren Volksschichten. Dieser Bewegung lag die Ungeduld des jüdischen Volkes zu Grunde, das bereits müde geworden war, den aus ihn schwerlastenden Druck, die tiefe Schmach und die Rechtlosigkeit länger zu ertragen. Aber die erhoffte Erlösung war nicht gekommen, hingegen mehrten sich seitdem die Erscheinungen, die auf eine innere Zersetzung des Judentums hindeuteten. Sabbetai-Zewi selbst hatte ja in ben letzten Jahren seine messianischen Gaukeleien damit begonnen, die Autorität des talmudischen Judentums zu untergraben. Als er, da er nicht den Mut hatte, für seine Ueberzeugung zu sterben, zum Islam übergetreten war, begann im jüdischen Volk ein Zersetzungsprozeß, wie ihn die jüdische Geschichte sonst nicht kennt. Aus verschiedenen Gegenden traten gleichzeitig kabbalistische Schwärmer auf, Betrüger und Betrogene, die alle das herannahende Ende des schmachvollen „Golus" prophezeiten und dies durch allerhand Geisterbeschwörimgen und sonstigen Hokuspokus beschleunigen zu können Vorgaben. Es war dies eine Art geistiger Epidemie in der Judenheit, die in ein und derselben Zeit in der Türkei, in Italien, in Polen, in Mähren u. s. w. auftrat. Was in der zweiten Hälfte des siebzehnten und in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts in den jüdischen Gemeinden mit diesen Dingen getrieben wurde, und was da alles Glauben fand, möchte man heutzutage kaum für möglich halten. Als Probe mag ein Vorfall dienen, der sich in der damals sehr angesehenen mährischen Gemeinde Nikolsburg im Jahre 1696 abgespielt hat. Es kam nämlich damals nach Nikolsburg ein junger

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