Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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178 der Bekanntmachung des Königs nichts wußte, so begnügte er sich damit, das Dach der Burg zu besteigen, worauf er sie verließ. Bald darauf ging ein Mann, namens Sifa. vorbei und merkte den Weg zur Burg, den der fremde Prinz gefunden hatte. Dieses meldete er rasch dem König, worauf ihm die Prinzessin Salomea versprochen wurde. Indessen hatte diese die Bekanntschaft des Prinzen Salom gemacht und ihn lieb gewonnen. Eine neidische Gefährtin, die ebenfalls den schönen Prinzen liebte, sann darauf, Salomea zu verderben. Es wird eine häßliche Jntrigue angezettelt, die beweisen sollte, daß Salomea ihren aufgezwungenen Bräutigam Sifa habe ermorden wollen. Darauf wird die arme Prinzessin von ihrem getäuschten Vater zum Feuertode verurteilt. Vergebens sucht der Prinz sich zu opfern, um nur die unglückliche Prinzessin zu retten, da sie dieses Opfer nicht annehmen will. Im letzten Augenblick wird aber glücklicherweise der Betrug entdeckt, den Sifa begangen hatte, als er sich für den Finder des Eingangs ausgab. Bald darauf kam es auch heraus, daß die Beschuldigung gegen Salomea eine elende Verleumdung war. Natürlich endet die ganze Sache damit, daß der prinzliche Gast die liebliche Prinzessin heiratet. Aber Luzzatto fand keine Befriedigung an seinen dichterischen Arbeiten. Er ließ sich immermehr von der Kabbala umstricken. Im Frühjahr 1727 glaubte er eine göttliche Erscheinung erlebt zu haben. Ja, auch eine Stimme wollte er vernommen haben, die ihm das Herannahen der messianischen Erlösung verkündete. Seitdem befaßte er sich beinahe ausschließlich mit der Mystik und schrieb eine fast unübersehbare Zahl von kabbalistischen Schriften. In der ersten Zeit scheute er sich noch, von seinen inneren Erlebnissen mit Fremden zu sprechen. Seine kabbalistischen Schriften zeigte er keinem Menschen. Indessen wollte es der Zufall, daß ein zugereister Gelehrter aus Jerusalem im Jahre 1729 einige Tage im Hause Luzzättos wohnte. Er hörte etwas von Mose Halms Träumereien und erhielt auch Gelegenheit, einen Blick in dessen Schriften zu werfen. In Padua selbst sprach der Gast kein Wort dar-