Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111086-3114156--2710-3114346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
177 schrieben hat, urteilt mit Recht, daß, wenn das ganze Psalmenbuch so gehalten war, man es lediglich als rhapsodisch bezeichnen müsse (Kerem Chemed III, 182). Aber gleichzeitig hat sich Mose Ha'im Luzzatto auch mit ernsten Dingen beschäftigt. Bereits im Alter von siebzehn Jahren begann er die Abfassung einer hebräischen Poetik. „Lesehon limmudim“, in der er zuerst die Regeln der Poesie im allgemeinen behandelt und dann auf die hebräische Dichtkunst übergeht. Jin dritten Teil dieses Buches, der aber nicht gedruckt wurde, behandelte er auch die dramatische Dichtkunst, bei welcher Gelegenheit er Proben aus feinem biblischen Drama „Simson und die Philister" mitteilt; das Merkwürdige ist dabei, daß Luzzatto bei der Behandlung der hebräischen Poesie ebenfalls die Geheimlehre heranzieht. In diese Zeit fällt auch die Abfassung seines Dramas: „Migdal Oz“ oder „Tummat Jescharim“, „Eine feste Burg" oder „Die Harmlosigkeit der Redlichen", das er dem Sohn seines.Lehrers, Israel Benjamin Bassan, zu seiner Hochzeitsfeier gewidmet hat. Dieses Drama ist erst ini Jahre 1837 durch Letteris erschienen. Man darf freilich an dieses Drama keine allzuhohen literarischen Ansprüche stellen. Die Erzählung ist kindlichnaiv. Sie könnte aber doch in der Hand eines geschickten, mit der Bühnentechnik vertrauten Dramatikers zu einer Art Märchenspiel benutzt werden, wie es heutzutage allgemein beliebt ist. Die Fabel ist folgende: Auf der Spitze eines hohen, nur mit großer Mühe zugänglichen Berges befindet sich eine feste Burg, zu der kein Eingang zu entdecken ist. Das Dach der Burg trägt einen wunderschönen Garten, auf dem die herrlichsten Blumen wachsen. Die Burg zu zerstören tut aber den: König leid. Er läßt daher bekannt machen, daß derjenige, der den Eingang der Burg auffindet und deren Dach besteigt, die holde Prinzessin Salomea heimführen solle. Eines Tages besucht ein fremder Prinz, der Jüngling Salom, die Residenz. Er besieht die Burg und findet den Eingang zu ihr an einer ferngelegenen Höhle, die mit der Burg durch einen unterirdischen und bisher unbekannt -gebliebenen Gang verbunden war. Da er von 12