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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 176

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mose Haim Luzzatto
Date
1907-01-01
Page
Seite 176 (sequence 5)
Language
German
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176 Luzzattos zu der Kabbala ist ein recht eigentümliches. Man kann nicht einmal behaupten, daß er tief in diese Geheimlehre gedrungen sei; sie beschäftigte gewiß mehr seine Phantasie als seinen Verstand. Aber gerade deshalb erging er sich in phantastische Obstrusitäten, von denen selbst L>. D. Luzzatto urteilt, daß, wenn nran Mose Harm Luzzatto nicht als geistesgestört bezeichnen will, man ihn für einen Betrüger halten müsse. Er war aber weder das eine noch das andere, vielmehr ließ er sich von seiner Einbildung fortreißen, zumal er um sich einen Kreis gleichgesinnter Jünglinge gesammelt hatte, die ihn bewunderten und seine Eitelkeit nährten. Jedenfalls vernachlässigte er dabei seine anderen Studien nicht, und auch in der hebräischen Dichtung machte er große Fortschritte. Im Alter von neunzehn Jahren versuchte er sich mit der Abfassung eines neuen Psalmenbuches, ebenfalls in 150 Liedern. Diese Psalmensammlung vollendete er im Sommer 1727. Später, als gegen ihn der Verdacht der Pseudo-Messianität erregt wurde, und man ihn zu verfolgen begann, wurde ihm diese Dichtung zum Vorwurf gemacht. Man beschuldigte ihn, er beabsichtigte oder hätte sich dessen gerühmt, die biblischen Psalmen durch die seinen zu verdrängen. Luzzattos Psalmenbuch ist niemals im Druck erschienen. Es hieß früher, eine alte Dame in Prag sei im Besitz der Handschrift, die sie um keinen Preis das Licht der Oeffentlichkeit erblicken lassen wollte. Indessen nach den zwei Proben, die von dieser Gedichtsammlung im hebräischen Jahrbuch „Bikkure Haltim“ erschienen sind (Jahrg. 1826/26 S. 56, Jahrg. 1826/27 S. 99), wird man den Wert dieser im Stil der biblischen Psalmen gehaltenen religiösen Gedichte nicht sehr hoch einschätzen dürfen. In keinem Fall können wir uns dem Urteil Franz Delitzschs (Gesch. d. jüd. Poesie S. 91) anschließen, wenn er von diesem Versuche sagt,, sie seien „durchatmet von dem zartesten Nationalgefühl", „die Ausströmungen eines tiefen Gefühls" (ib. S. 117). Mehr als die im genannten Jahrbuch abgedruckten Proben hat auch Delitzsch von diesen Psalmen nicht gekannt. Almanzi, der Luzzattos Biographie mit Liebe und Verständnis ge-

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