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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 175

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mose Haim Luzzatto
Date
1907-01-01
Page
Seite 175 (sequence 4)
Language
German
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in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts die Todeszuckungen dieser Bewegung nicht aufgehört hatten. Luzzatto wurde im Jahre 1707 in Padua als der Sohn angesehener und wohlhabender Eltern geboren. Sein Vater Jakob, der während der Geburt Mose Hanns einen großen Seiden- und Produktenhandel betrieb, nnd seine Mutter Diamante stammten beide von der weitverzweigten Familie Luzzatto ab, aus der so viele Gelehrte und Dichter hervorgegangen sind. Mose Hann, der nicht das einzige Kind dieses Elternpaares war, zeigte schon in früher Jugend große Begabung unb vielen Fleiß. Er wurde sehr sorgfältig erzogen, und sein Vater kargte keine Kosten, ihr! vielseitig ausbilden zu lassen. Der junge Luzzatto lernte außer dem Hebräischen und dein Italienischen auch Latein, damals die Sprache aller Gebildeten. Seine talmudische Ausbildung, die in jener Zeit bei begabten jüdischen Jünglingen unerläßlich war, erhielt er im Hause des Rabbiners Jesaja Bass an, der seinem Schüler Zeit feines Lebens die größte Anhänglichkeit unb Liebe bewahrte, auch als Luzzatto später von aller Welt verfolgt wurde. Indessen war gerade das Verhältnis des jungen Luzzatto zu seinem Lehrer sein Verhängnis. Im Hause Bafsans fand er nämlich eine reichhaltige Sammlung kabbalistischer Schriften, und die lebhafte Phantasie des Knaben, der schon damals seine dichterische Begabung bekundete, wandte sich sofort der Mystik zu. Er lernte leicht das aramäische Idiom des Sohar und dessen geheimnisvoll tuenden Stil kennen und gefiel sich sehr in dessen Nachahmung?) Das Verhältnis *) Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß luzzatto nicht einmal in die poetischen Schönheiten des Sohar eingedrungen ist. Außerdem fielen ihm nicht die sprachlichen Schnitzer auf, die in einigen Partien dieses Buches Vorkommen und ftir dessen Unechtheit sprechen. Luzzatto läßt sich sogar in seinem neuen Sohar dieselben sprachlichen Schnitzer zuschulden kommen. So gebraucht er das לאסגאה im Sinne von לרבות oder לאתרי• Als ich im Sommer 1906 in Moskau war, fand ich in der Privatbibliothek eines Sammlers, des Herrn Seelig Persitsch, ein schönes Handschriftliches Exemplar von Luzzattos Sohar. Leider konnte ich das Buch diesmal nur flüchtig durchblättern. Ein tieferes Eingehen in Luzzattos Traumwelt wäre gewiß interessant.

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