Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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168 hängige, sittliche Bedeutung aufrechterhalten. Alle Poesie des Vaterlandsgefühls wendet sich der Mitwirkung am Staate zu, an seinen hohen geistigen und sozialen Aufgaben, in denen die Veredlung des Menschengeschlechts angestrebt wird. Wenn nun aber diese politische Arbeit des modernen Menschen der reinen Sittlichkeit förderlich werden soll, so muß sie in der Tugend der Treue ihren Quellpunkt bewahren. Denn auch im Staatswesen walten einschränkende Rücksichten, welche Mäßigung gebieten, andererseits aber umsomehr auch heißen Eifer der Konsequenz erfordern. Gerade hier wird die wahrhafte Religiosität, wie sie doch eben in der Nächstenliebe die ethische Humanität vorbereitet, hilfreich wirken können. Die Pietät in der Religion wird in der Achtung und Sympathie für andere Religionen sich bewähren. Kann sie das nicht, so widerlegt sie sich selbst, und begibt sich damit ihres Anteils an dem geschichtlichen Idealismus, welcher der Religion zusteht. Nun bedenke man ferner die ungeheuerliche Komplckation von Vergehungen, die von Staatswegen durch die Verlockung zur Taufe an den Juden begangen wird. Wären es nur Geldmittel, mit denen hierbei gewuchert wird, so wäre der Schaden immerhin geringer. Aber der irdische Lohn, der hier auf den Glaubenswcchsel gesetzt wird, betrifft auch nicht einmal etwa allein die Ehrenstellen, auf deren verschiedentliche Gipfel man allenfalls auch noch verzichten könnte; sondern es gilt hierbei auch in vielen Fällen den Lebensberuf. Das ist der wundeste Punkt in dieser ganzen Methode der Vergewaltigung. Vom Kindesalter schon nagt die Sorge an dem jüdischen Herzen, ob diejenige Richtung eingeschlagen werden darf, zu welcher Anlage und Neigung hinlenken. So wird der innerste Kern des Lebens von dieser Gefahr des Glaubenswechsels bedroht. Daß andererseits Leichtsinn und absoluter Weltsinn auf Seiten der Juden dieser Verführung entgegenkommen, braucht hier nicht näher beachtet zu werden, wo es sich nur um