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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 159

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 159 (sequence 62)
Language
German
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15<J auch für diese nur in weiser Einschränkung zu nutzen. Vorbild darf mir nur die Erkenntnis sein; wohlverstanden, nicht schlechthin das sogenannte Gewissen, das freilich unverächtlich bleibt, das jedoch nicht als ausreichend gelten darf gegenüber der Kasuistik der Weltgeschichte. Die Erkenntnis allein, mit ihren Fehlern, Irrungen, Schwächen und Schranken, aber auch mit ihren gewaltigen Waffen der Rechenschaft, der Begründung, des Beweisverfahrens, die Erkenntnis der Sittlichkeit allein kann Wahrhaftigkeit begründen und sicherstellen. Und ohne wissenschaftliche Wahrhaftigkeit darf es keine Wahrheit auf Erden geben. Es gibt keine ohne sie; es muß aber die Zeit kommen, in der keine andere Wahrheit als solche gilt. Bevor wir schließen, wiederholen wir, womit wir begonnen haben. Erkenntnis ist der Wegweiser der Kultur, sie wird auch zum Einheitsband für das System der Philosophie. Und wie die Kultur ihre Einheit im System der Philosophie hat, so muß auch die sittliche Kultur ihre Wurzel und für ihre Fortentwickelung ihren Schwerpunkt in der systematischen Philosophie haben. Wie aller Inhalt der Kultur aus den Richtungen des Bewußtseins rein erzeugt wird, in denen das Bewußtsein der Kultur sich entfaltet, so daher auch der sittliche Inhalt des Menschengeistes und der Weltgeschichte. Es kann und es darf keine andere Richtung des Bewußtseins geben, der es zugesprochen werden dürfte, in eigener Selbständigkeit, oder auch nur in intergrierender Mitwirkung den sittlichen Inhalt der Kultur auf eigenartige und unersetzliche Weise zu vertreten. Es gibt einen durchschlagenden methodischen Grund gegen die Zulässigkeit einer solchen Mitwirkung: nur solche Richtungen des Bewußtseins vermögen einen Kulturinhalt zu vertreten, welche denselben zu erzeugen vermögen. Das Erzeugen aber setzt die wissenschaftliche, die philosophische Methodik voraus. Es kann demzufolge aber auch derjenige Inhalt, welcher einer der Richtungen des Kulturbewußtseins angehört, nicht zu einem Teile von einer, zu einem anderen Teile aber von einer etwaigen

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