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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 153

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 153 (sequence 56)
Language
German
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— 153 — daß die Religion in die Ethik über- und eingehe; geschweige daß jene mit ihr assimiliert würde. Die Aufhebung bedeutet vielmehr die Verwandlung in die andere ^Richtung. Denn hier gibt es keine gleichartige Fortsetzung; es wäre denn die zwischen Mythos und Sittlichkeit des Kulturbewußtseins. Mythos ist naive Erkenntnis; das Kulturbewußtsein Pflanzt wissenschaftliche Erkenntnis auch für die Sittlichkeit. Somit ist es die systematische Erkenntnis, die methodische Erkenntnis der systematischen Philosophie, welche die Ethik von der Religion unterscheidet. lind das ist die Frage: soll die Religion bestehen bleiben neben der systematischen Erkenntnis? Wenn die Frage so gestellt wird, so kann man in unserem Zusammenhänge nicht mehr antworten, daß die Religion neben der Wissenschaft bestehen bleiben müsse, könne und dürfe; denn es handelt sich hierbei nicht um die Wissenschaft, weder um die der Natur, noch um die der Geschichte; sondern die Frage ist auf die Philosophie gerichtet. Neben der Wissenschaft könnte die Religion imnierhin bestehen bleiben müssen; ob aber auch neben der systematischen Philosophie, das ist die neue und strenge Frage. Sie wird nicht im geschichtlichen Sinne gestellt; denn in diesem würde die Religionsphilosophie die bejahende Antwort bilden. Diese aber hat das geschichtliche Faktum der Religion, und zwar der Religionen zum Material ihres Problems. Ihr Material ist daher nicht an sich ein solches der Philosophie, wie etwa das der Geschichte der Philosophie. Bei ihr kann es daher von vornherein fraglich werden, ob sie der philosophischen Aufgabe und Methode zugänglich und gerecht werden kann. Und es gibt nur eine Bedingung für die bejahende Lösung dieser Frage. Sie hat dieses ihr Problem der Kritik der Religion aus dem Gesichtspunkte der philosophischen Ethik zu lösen. So haben es die Alten gemacht, und so hat Kant von neuem die Ethikotheologie begründet. Hier dagegen wird die Frage als eine systematische gestellt: ist es mit dem

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