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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 151

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 151 (sequence 54)
Language
German
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151 die Freiheit nur die Idee einer Aufgabe sein kann, und nicht die Causalitat eines Naturvermögens, so kann auch das Selbst nur als Aufgabe zu denken sein, wenn es doch nur in dieser Aufgabe der Freiheit sein Sein hat. Wenn nun aber das Selbst des menschlichen Individuums, insofern es eine sittliches ist, nicht als ein physiologischer Organismus gedacht werden darf, sondern lediglich unter der Idee einer Aufgabe, so liegt die Ergänzung für diese Idee des Selbst in der Idee der Menschheit. Es muß demzufolge die Einsicht sich endlich Bahn brechen, daß das sittliche Individuum von der Allheit der Menschheit herstammt; nicht umgekehrt diese etwa nur die Abstraktion von Jenen wäre. Wie sehr man hinterher geneigt sein mag, diese Abstraktion zu kräftigen, indem man sie ethisch objektiviert; der methodische Fehler im Ausgang kann nicht unschädlich gemacht werden. Auch die Freiheit des Jnviduums setzt die Idee der Menschheit voraus. Und so bleibt es im letzten Zielpunkte die Realität der Menschheit, in welcher die sittliche Persönlichkeit ihre Bürgschaft findet. Da nun aber die Idee der Menschheit das Korrelat der Einheit Gottes bildet, so wird auch von hier aus der feste innerliche Zusammenhang zwischen der Ethik und der Gottesidee einleuchtend und zwingend. Wie ohne die Menschheit kein Selbst, kein sittliches Individuum, so auch nicht die Freiheit in ihrem letzten methodischen Sinne ohne die Realität der Idee Gottes. So weit haben wir nun das innerlichste Verhältnis von Religion und Sittlichkeit verfolgen können, daß wir sahen, wie durch den Gottesbegriff, als die Idee von der Realität der Menschheit, die Religion in die Ethik hineinwächst. Es gilt nun aber die Grenzen einzuhalten und reinzuhalten. Und wie wir bisher durch

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