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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 149

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 149 (sequence 52)
Language
German
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— 149 — Vorbehalten bleiben; sondern als Idee kann er ein Begriff der Ethik werden. Damit aber txitt die Entwickelung von Religion und Sittlichkeit in ein ganz neues Stadium. Die Unbestimmtheit des einen Gliedes dieses Verhältnisses, der Sittlichkeit, muß nunmehr der präzisen Bestimmtheit der einzigen methodischen Sittlichkeitslehre, der Ethik, Weichen. Die Situation der Religion scheint freilich dadurch gefährdet zu werden; aber die der Sittlichkeit wird klar; und nicht minder dürfte dies von dem Stande Gottes gelten. Die Entstehung des Gottesbegriffs und seine Entwickelung innerhalb der Religion schon hat es unverkennbar gemacht, daß er der Sittlichkeit entstammt, und daher der Ethik zugehörig werden kann. Wenn der messianische Gott die. Einheit des Menschengeschlechts und die ideale Zukunft der sittlichen Menschheit in ihr zur Entdeckung, und damit die Religion als folche zur Vollendung gebracht hat, so erkennen wir nunmehr in der Idee Gottes diese ihre Bedeutung für die Ethik. Eine Ethik ohne Gott ist im Grunde eine Ethik des Individualismus. Für die Ethikder Menschheit darfihr unerschütterliches, tiefstes Fundament nicht mehr in der prophetischen Hoffnung der Zukunft liegen, sondern gemäß ihrer Methodik in der Realität der Zukunft. Diese Realität ist Idee, ethische Idee; die Idee, in welcher der Idealismus der Ethik sich unterscheidet von der Utopie einer transzendenten Schäferwelt, wie Jean Paul einmal das Jenseits bezeichnet. Aber die ethische Realität "unterscheidet sich auch von der Utopie derjenigen Staatsromane, in denen der Gedanke der Glückseligkeit, wie selbst bei Thomas Morus, das neue Staatsschiff steuert. Wenn die ethische Realität eine Idee ist, so ist sie in dem Idealismus gegründet, also in der Erkenntnis. Die Erkenntnis der Sittlichkeit bedarf der Sicherheit, der Gewißheit jener Zukunft der Menschheit. Es darf nicht ein Luftgebild des ästhetischen Luxus sein, der sich nicht genugzutun vermag in der Ausmalung

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