Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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148 eine solche hier möglich wäre; sondern immer müßte er die erste sein, die, von der Alles abhängt, ausgeht und auf die Alles zurückgeht, was wahrhaft göttlich ist, und daher wahrhaft menschlich werden kann. In dem messianischen Gotte ist es schlechterdings nicht mehr das Interesse am Wesen Gottes, sondern ausdrücklich das am Menschen, am Menschengeschlecht, um das dieser Begriff sich dreht. Darauf aber kommt es an, daß das Interesse der Menschen sich hinweg und hinaushebt über jenen mythischen ^inn, der dem Wesen der Götter oder Gottes nachgeht und nachspürt; daß wahrhafte Demut des menschlichen Geistes sich an den Gedanken gewöhnen lerne: von Gott will ich nur wissen, was mir als Menschen frommt. Ich kann nur das von ihm wissen, und ich will es auch nur.- Damit wächst der sittliche Geist über die Religion des Mythos hinaus und über allen Mythos in der Religion. Damit hört auch das Interesse an der sogenannten Person Gottes auf und an dem sogenannten lebendigen Gotte. Denn Person, als Persönlichkeit, ist ein sittlicher Begriff. Und ein sittlicher Begriff ist ein Begriff des Menschen, und nur des Menschen. Und Gott ist nicht Mensch. Noch weniger hat der Begriff des Lebens eine wahrhafte Anwendung auf ihn. Daher hat schon Maimonides die Kühnheit gehabt, das Leben ihm abzusprechen; oder nach der Behutsamkeit seiner darin doch das Mittelalter weit überfliegenden Ehrlichkeit, den Begriff des Lebens bei Gott und beim Menschen zu unterscheiden. Schon das Tierleben fordert ja eine solche Unterscheidung, heraus. Person und Leben müssen in den Schatten der Diskretion zurücktreten; nur die Idee, der Begriff und die Wahrheit ethischer Erkenntnis geziemt sich für den Namen Gottes. * * * Well aber der Begriff Gottes die logische Dignität hat, Idee zu werden, so muß er dies nicht nur für die Religion werden, und so darf er auch nicht der Religion