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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 147 (sequence 50)
Language
German
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IRI
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147 prophetischen Hoffnung für die vereinigte Menschheit als wahrhafte Zukunft geltend gemacht werden sollte. Nur sie sei von aller sinnlichen Wirklichkeit begrifflich geschieden. Es ist daher dieselbe Diskretion, welche die jüdische Dogmatik in der Attributenlehre auszeichnet, die Demut der Erkenntnis vor dem Wesen Gottes, welche auch den Fragen, den Besorgnissen und den Hoffnungen des Jenseits gegenüber die jüdische Frömmigkeit betätigt. Im Talmud heißt es: „Alles, was die Propheten von der Zukunft geweissagt haben, bezieht sich auf das Zeitalter des Messias; von der zukünftigen Welt dagegen gilt es: kein Auge hat sie gesehen, außer Dir, Gott, allein". Und bestimmter noch und kühner wird diese Bedeutung der messianischen Prophetie auf die geschichtliche Sittlichkeit hin und von dem Mythos abgelenkt durch den Satz des Talmud: „die Weissagungen der Propheten haben nur Gültigkeit für den Messianismus." Durch solche Aussprüche des jüdischen Schrifttums wurde Maimonides geleitet, als er jenen Unterschied zwischen Len beiden zukünftigen Welten dogmatisch fixierte. So haben wir denn gesehen, welchen genauen Sinn der Satz hat: daß aus dem Mythos heraus durch die Sittlichkeit die Religion erzeugt wurde. Der genaue Sinn besteht darin: daß durch die Zurückstellung Gottes hinter das Verhältnis zwischen Mensch nnd Mensch der Mythos verscheucht, und die Religion entzündet wurde. Wie wir nunmehr gesehen haben, erstreckt sich diese Zurückstellung Gottes auch auf das Verhältnis zwischen Volk und Volk. Für die Individualitäten der Völker mußten die Kollisionen der Selbstsucht, der Eigenliebe, aber auch der Probleme der nationalen Fürsorge und der Vaterlandsliebe ins Feld geführt werden, damit der messianische Gott als Brennpunkt aufleuchten konnte, um aus ihm die messianische Menschheit ausftrahlen zu lassen. Wenn mit einem Worte das Rätsel des Einzigen Gottes bezeichnet werden kann, bezeichnet und gelöst, so ist es das Wort Messias. Er konnte daher auch nicht eine zweite Natur in der Person Gottes sein, auch wenn io*

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