Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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146 ließ. Auch ist es sehr charakteristisch, daß ewige Höllenstrafen nicht aufkonnnen konnten. Und auch die Freuden des Paradieses werden vergeistigt und nur als geistige zugelassen; als „Mitgenuß an dem Glanze der Gottheit". Es wird damit schon die Grenzlinie berührt, welche zum Paulinischen Wesen des Christentums überleitet, sofern danach die Freiheit der Kinder Gottes in der Teilnahme an der Herrlichkeit Gottes besteht. Für das Judentum dagen ist es charakteristisch, daß in seiner ganzen religiösen Verfassung, in seinen Gebeten, wie in seiner dogmatischen Fixierung durch die Religionsphilosophen des Mittelalters, den Jenseitsfragen gegenüber eine keusche Diskretion geübt wird. Man entsagt wahrlich der Unsterblichkeit nicht; wie könnte man dies, da nicht nur die späteren Propheten und Psalmen diesen Hauch der unsterblichen Seele athmen; man baut sogar diesen Gedanken für das Ideal der Frömmigkeit aus, und man bedient sich dazu des mythischen Rohstoffs für diesen Gedanken, den der der Auferstehung bildet. Aber die Auferstehung selber wird mit der Unsterblichkeit identifiziert. Und die Unsterblichkeit wiederum setzt man für gleichbedeutend mit der Vergeltung. So ist es auch hier der sittliche Begriff, der das mythische Motiv verwendet und umschafst, in das religiöse verwandelt. Auch ist es die Unterscheidung dieses ewigen Lebens als der „zukünftigen Welt" (olom baba) von der Zukunft der Menschheit, als der „zukünftigen Zeit", (Athid labo) m welcher der messianische Urgedanke sich hier für die ganze Tragweite der religiösen Sittlichkeit durchsetzt. Sehr merkwürdig ist an sich auch die zwiefache Zukunft, die so erdacht und ausgeprägt wird: die Zukunft des Individuums, als die der zukünftigen Welt; die Zukunft der Menschheit, als die der zukünftigen Zeit. Es ist, als ob dadurch der Begriff der Zukunft selbst erst zu einem neuen Inhalt gebracht werden sollte; als ob ihre Verwechslung mit jener Zukunft der mythischen Phantasie ausgeschlossen, und nur die Zukunft der