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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 141

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 141 (sequence 44)
Language
German
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141 er f)at seinen Ursprung im Mythos, denn er hängt sicherlich zusammen mit dem Urgedanken eines Weltuntergangs, der in mannigfachen Wendungen den Gedanken eines Strafgerichts der Götter ausprägt. Aber er verbindet sich hier mit dem streng sittlichen Gedanken, der eben die Religion vom Mythos abscheidet, nämlich mit dem des Strafgerichts wegen der Vergehungen, welche die Menschen mit einander, insbesondere die Reichen gegen die Armen verüben. Es sind nicht die Vergehungen etwa wegen Unterlassung des Opferdienstes gegen die Götter; sondern diese ganze Art von Gottesdienst wird in schroffen Widerspruch gesetzt zu dem Dienste der Sittlichkeit, als dem der Religion. Ein zweiter geschichtlicher Ursprung liegt für den Begriff des Messias in der Politik. Hierin ist von vornherein eine innerliche Verbindung vorbereitet, sie brauchte nur ausgeführt zu werden. Das soziale Moment ist an sich ein politisches, sofern es die Glieder des Staates betrifft. Auf der Harmonie dieser Glieder beruht der Bestand des Staates nicht zum geringsten Teile. Und' die Propheten sind die Anwälte der Armen und der niederen Stände gegen die Fürsten und die Reichen. Und sie vertrauen ihrem einzigen Gott als den: „Vater der Waisen und Anwalt der Wittwen." Freilich kann von den internationalen Verhältnissen nicht abgesehen werden. Die Propheten waren Politiker auch in diesen: die auswärtigen Verhältnisse umspannenden (L>inne. Je drohender der Untergang des Staates wurde, desto dringlicher verflocht sich der Tag des Gerichts mit dem Tage der Hoffnung. Der prophetische Patriot hat die Hoffnung für sein Volk, vielmehr für seinen Gott, für seine Religion zu einer sittlichen Kraft des Gemütes auszubilden vermocht. Es war in der Tat ein neues Vermögen, welches in dieser Hoffnung im Geiste des Propheten aufstieg. Die Griechen kennen diese Hoffnung nicht; bei ihren Dichtern selbst ist sie nur ein eitles Gelüsten, das sich auf die Phantasie der Selbstsucht bezieht. Die Hoffnung ber Propheten dagegen geht und zielt auf eine ferne Zukunft ihres

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