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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 140

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 140 (sequence 43)
Language
German
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140 Begriffe des Individuums selbst. Nicht dieses darf den Zielpunkt bilden, wie es eben auch nicht den Ausgangspunkt bilden darf. Wenn von vornherein das Verhältnis zwischen Mensch und Mensch das ausschließliche Problem der Religion bildet, so wird der Mensch eben nicht in erster Linie und seines eigenen Seelenheils wegen vornehmlich als Individuum gedacht, sondern von vornherein in der Linie der Menschheit. Damit aber wird unmittelbar die Differenz vom Mythos schroff und sicher. Mit der Menschheit hat der Mythos nichts gemein. Ihn interessiert höchstens das Geschlecht, der Stamm, die Nation; auf die Menschheit hat kein heidnischer Mythos jemals den Blick gerichtet. Die Idee der Menschheit ist daher auch nicht in der griechischen Philosophie aufgegangen, die in der platonischen Tiefe selbst mit dem Mythos der vaterländischen Götter verwachsen blieb; wenngleich der Delphische Gott, wie wir es schon beachtet haben, seine Strahlen nach dieser Einheit aussendete. Die Idee der Menschheit ist die Frucht der Einheit Gottes. Und nur weil die Propheten vermocht haben, der mythischen Korrelation zwischen Mensch und Gott zu trotzen, und dagegen die Korrelation zwischen Mensch und Mensch einwurzelten in den Mutterboden der prophetischen Religion, nur durch die Einheit Gottes, welche sie dadurch zur Wahrheit machten, vermochten sie die Einheit des Menschengeschlechts, den höchsten, den letzten Gedanken der Sittlichkeit, zu entdecken. Zu diesem Begriffe der Menschheit steht der Begriff des Individuums nicht in unmittelbarem, nicht in einem methodischen Zusammenhänge, sofern es sich beim Individuum vornehmlich um sein Seelenheil handelt, und zwar auch wenn wir dasselbe mit seiner Sittlichkeit gleichsetzen dürften. Dadurch aber entsteht in der Geschichte des Monotheismus ein neues Moment, durch welches die Religion sich vom Mythos nicht nur negativ unterscheidet, sondern positiv abscheidet. Diesen positiven Begriff in der Religion der Propheten bildet der Begriff des Messias. Auch

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