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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 136

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 136 (sequence 39)
Language
German
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136 das Verhältnis zwischen Mensch und Mensch aufgerichtet wird, wogegen Gott in den Hintergrund des Ideals zurücktreten muß, wird irn Christentum das unmittelbare Verhältnis zwischen Mensch und Gott wieder aufgerichtet Es wäre verkehrt, dies schlechthin als Heidentum zu bezeichnen; denn in der Trinität soll auch die Sittlichkeit des Menschen begründet und sichergestellt werden. Aber was in der allgemeinen Poesie geschichtsphilosophischer Betrachtung als ein hoher Vorzug des Christentums gepriesen wird, daß es die Unmittelbarkeit von Gott und Mensch herstellt und darstellt, dieses sein Grundmotiv erhält ebenso seinen Zusammenhang mit dem Mythos, wie es andererseits auch seine Verwandtschaft mit dem Pantheismus begründet. Für seine Dogmatik aber steht es außer allem Zweifel, daß sie in dieser mythischen Quelle ihren Grund hat. Die Menschwerdung Gottes hat ihren tiefsten, auch für die Geschichte der .Ethik fruchtbaren Grund sicherlich in dem Grundmotiv der Ethik: daß die Sittlichkeit das Werk des Menschen sein müsse. Sofern nun also Gott und Sittlichkeit als identisch gedacht werden, so muß eben Gott Mensch werden; mau könnte versucht sein, zu sagen: er müsse von vornherein Mensch sein, wenn anders sittlich sein heißt Mensch sein. Und ebenso ist es nicht etwa Beschönigung, wenn mar: auch umgekehrt es anzuerkennen bestrebt ist, daß der mystische Gedanke der Bereinigung des Menschen mit Gott in dieser Fassung seinen mächtigen Ausdruck erlangt: die Menschwerdung Gottes bedeutet das Gottwerden des Menschen. Und diese muß nicht nur den Sinn der absterbenden römischen Anüke haben, in der das Gottwerden, die V ergottung, nicht nur, wie ehemals für den Heroenkultus, so nunmehr für die Kaiserverehrung zum Ceremonial derPolitik gehörig wurde. Das Gottwerden ließ eine natürliche Idealisierung zu, und bedeutet in derselben die Läuterung und Erhebung zur höchsten, zur idealischen Sittlichkeit. Das alles bleibt unbestritten, und wird in jeden: Sinne historischer Pietät anerkannt

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