Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Verirrten (More Nebochim), dem klassischen Hauptwerk der jüdischen Religionsphilosophie, zur Vollendung gebracht. Das Nichtwissen der Attribute bedeutet das Nichtwissen des Wesens Gottes. Man könnte zuerst versucht werden zu fragen: was für eine Religion soll das sein, in welcher das Nichtwissen von Gottes Wesen zum Fundamente wird? Es ist jedoch noch dringlicher die andere Frage: was für eine Philosophie mag das sein, in welcher das Nichtwissen zum Interesse und Inhalt der Erkenntnis wird? Man kann nun aber an einem interessanten, wichtigen historischen Punkte die Bedeutung dieser Frage abschätzen. Nieolaus von Cues bezieht sich auf Maimonides in Bezug auf diese Theorie des Nichtwissens der Attribute. Er aber benutzt dieselbe für seine docta ignorantia, mit der er in moderner Originalität die Erkenntnis auf neuen Grundlagen aufbaut. Dieses Interesse leitet jedoch keineswegs die Theorie der arabischen Juden. Sie wollen reicht, wie Cusa, mittelst einer Skepsis eine Grundlegung der Erkenntnis beginnen, sondern ihnen handelt es sich vornehmlich um die Sicherstellung der Gottesidee gegenüber dem Unglauben, wie nicht minder gegenüber beit falschen Glaubensarten. Und nun wird es entscheidend für das Wesen des jüdischen Monotheismus: was diese Dogmatiker des Judentums als Inhalt der Gotteserkenntnis ausschließlich bestehen lassen. Wenn wir bisher sagten, daß jene Philosophen der Synagoge die Attribute Gottes bestreiten, so war dies ungenau: sie bestreiten nur diejenigen Attribute des göttlichen Wesens, welche nicht unmittelbar als Musterbegriffe der menschlichen Handlungen dienen können. Sie beschränken die Erkenntnis aus die Erkenntnis der „Attribute der Handlung." Nur diejenigen Attribute Gottes sollen Gegenstand der menschlichen, der religiösen Erkenntnis sein dürfen, welche das Wesen Gottes als das Urbild der Sittlichkeit bestimmen. Außerhalb dieses Interesses an der Sittlichkeit ist das Wesen Gottes unerforschlich,