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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 126

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 126 (sequence 29)
Language
German
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126 dieser Einheit Gottes zur Einheit im Menschen und unter den Menschen einzugehen. Das sind Folgerungen, die sich Jedermann unmittelbar ergeben: Laß so aus der Einheit Gottes erstlich die Einheit im Wesen des Menschen und sodann die Einheit des Menschengeschlechts sich herausgebildet hat. Besonders was den letztern Punkt betrifft, so ist es der Bibelkritik der evangelischen Kathedertheologie nicht innig genug zu danken, daß sie diesen Zusammenhang zwischen der Einheit Gottes und der Einheit des Menschengeschlechts von neuem nachgewiesen und anerkannt, und somit das blöde Vorurteil von dem Partikularismus des Judentums und von seinem Nationalgotte zurückgewiesen hat. Damit ist jedoch nur die erste Stufe zu einem echten Verständnis des Judentums beschritten. Die nächste Folge muß die Frage betreffen, diewir an diesem Punkte erörtern. Wir sahen bisher, daß der Gedanke des einzigen Gottes in dem Gedanken der Sittlichkeit, in dem Gedanken des Guten zur Entdeckung kam. Damit ist die Religion entstanden; die Religion im Unterschiede vom Mythos. Was ist sonach der Unterschied zwischen Religion und Mythos? Wir brauchen uns jetzt nicht auf die Betrachtung des Unterschiedes einzulassen, der zwischen Mythos, Sage und Poesie besteht. Die Poesie insbesondere gehört schon der Kultur an; den Mythos dagegen betrachten wir seinem psychologischen Wesen nach stets als ein Urelement, also als ein Vorelement der Kultur; wie sehr dieses immer in die Kultur selbst noch hineinwachsen mag. Auch zwischen dem Mythos und der Religion interessiert uns hier kein psychologischerunterschied, sondern allein der sachliche. Die Religion will der Kultur angehören; der Mythos liegt vor der Kultur; was bleibt für den Unterschied zwischen der Religion und dem Mythos sonach übrig? Der Unterschied im Begriffe Gottes allein macht diesen Unterschied aus. Der Unterschied aber zwischen dem einzigen Gotte und den Dielen Göttern liegt im Gedanken der Sittlichkeit. Der

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