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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 123

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 123 (sequence 26)
Language
German
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123 Daher dürfen sie im begrifflichen Sinne als die Urheber; des Monotheismus bezeichnet werden. Sicherlich mutz auch für sie eine Entwicklung angenommen werden, nicht um; für ihre Reihenfolge, sondern auch eine Vorstufe, von der aus sie selbst sich erheben konnten. Und vielleicht ist diese gerade in einer Entartung des Opfergedankens zu erkennen. Wir wissen heute, daß das Opfer ursprünglich ein Festmahl war, in dem der Mensch, die Sippe, der Stamm einen friedlichen Bund mit seinen Göttern schloß. Es trat aber eine Epoche ein, in welcher der Vertrag mit den Göttern nicht so einfach und verläßlich erschien, in der der Zorn und der Neid der Götter das zweifelnde Gemüt zu einer heftigen Erschütterung brachte, so daß die blutigen Gaben nicht mehr im Fleisch der Tiere zur Götterspeise gewählt wurden, sondern Menschenopfer erlesener erschienen; in der überhaupt das Opfer nicht mehr als die zuverlässige Gabe betrachtet wurde, die Gunst der Götter zu erwerben, sondern als der zaghafte Versuch, ihre Rache zu versöhnen. Immerhin zeigt sich in dieser unschmeichelhaften Vorstellung von den Göttern doch das auftauchende Gefühl für einen Mangel, ein Unrecht im eigenen Wesen und Verhalten, für das die Rache gefürchtet wurde. Diese selbst ist daher schon eine Korrektur des ursprünglichen Neides der Götter. Man darf daher vielleicht annehmen, daß an diese Stufe des mythischen Bewußtseins der erste Prophet, von dem Schriftliches vorliegt, angeknüpft habe. Die Angst des Bewußtseins bildet die Vorbereitung für seine Predigt. Aber während die Menschen seiner Zeit immernur auf ihren Stammgott den Blick richten, so will Amos sie von dem Hinblick auf diesen ihren Gott abwendig machen. Das ist nicht etwa eine Paradoxie; darauf kam es von vornherein an, und dabei muß es für alle Folgezeit bleiben., Nicht darf der Blick auf die Linie gehefteb bleiben, deren einen Grenzpunkt das Ich und den andern der Gott bildet; sondern ein anderes, ein ganz anderes Verhältnis muß in die Blicklinie

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