Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Bleibt etwas Anderes übrig als das Problem von den Göttern? Oder soll man etwa einfach fortfahren: das Problem von Gott? Handelt es sich dabei lediglich um den Unterschied von Mehrheit und Einheit? Es zeigt ein sehr oberflächliches Verständnis von der Bedeutung des Monotheismus, von seinem Begriffe und seiner spezifischen Differenz vom Polytheismus aller Art, wenn man in einem Athemzuge des Gedankens vermeint sagen zu dürfen: die Götter und Gott. Die tiefste Kluft, welche in der gesamten Kultur zu erspähen sein dürfte, trennt diese beiden Begriffe von einander. Wie wenig man in das Verständnis des eigentlichen Sinnes des Monotheismus eingedrungen ist, das hat sich jetzt wieder bei dem wieder angefochtenen Prioritätsstreit zwischen Israel und Babylon gezeigt. Mit einer nur durch den zeitgemäßen Judenhaß erklärlichen Naivetät gibt man sich den Anschein eines historischen Interesses, welches zu inaugurieren sei, während es seit langer Zeit schon bei keinem Kundigen gefehlt hat. Selbst innerhalb der griechischen Mythenwelt hat man bei Dichtern und Philosophen die Keime des Monotheismus anerkannt. Aber nicht um den Unterschied der Einheit von der Mehrheit handelt es sich, noch auch um den Unterschied, welchen etwa ein oberster Gott und ein höchster gegenüber dem Chorus der Götter bildet; denn der echte geschichtliche Geist müßte daraufhin weiter fragen: worauf beruht denn aber dieser Unterschied der Einheit von der Mehrheit und von der Ueberordnung, wem: anders er nicht blos der Gewohnheit des Zählens und des Ordnens entsprungen ist; wenn anders er in dem Begriffe der Gottheit einen sachlichen Unterschied bedeutet? Wenn aber die Frage so nicht gestellt wird, so wird sie nicht in wahrhaft geschichtlichem Geiste, sondern nur in schablonenhafter Entwicklungstechnik auf den Ursprung des Monotheismus gerichtet. Die Propheten Israels haben dem Gedanken von der Einheit Gottes die Eigenart begründet.