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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 121

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 121 (sequence 24)
Language
German
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121 Vermochte? Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen den Menschen und den Göttern, welches durch den Seelenbegriff lebendig erhalten wurde. Es ist das Ideal der Kultur, dieses Verhältnis zur Lösung zu bringen. Hat die Kultur aber ihr Ideal schon erreicht? Die Kultur ist entstanden, und hat eine große Entwicklung bereits vollzogen; aber sie hat bisher das Göttermotiv ebensowenig in dem Menschenwesen zur Auflösung gebracht, wie in den: Naturproblem. So möchte es zu verstehen sein, daß dieses Problem der Gottheit innerhalb der Kultur ein eigenes Arbeitsgebiet gewinnen und behaupten konnte. So möchte es aber auch zu verstehen sein, daß die Religion zu einem selbstständigen Faktor der Kultur geworden. So ist sie zu dem Schein einer ursprünglichen Richtung des Geistes, als eines Kulturbewußtseins, gekornmen. Die geschichtliche Betrachtung muß dagegen zum mindesten den Zweifel aufkommen lassen, ob diese Richtung, als Religion, eine ursprüngliche ist, oder ob sie vielmehr ursprünglich nur als Mythos ist, in dieser Art tion Ursprünglichkeit freilich universal bliebe, aber nur insofern, als sie beit Keim bildet, aus dein die universelle Entwicklung hervorgeht, die Entwicklung zur Universalität der Richtungen der Kultur. Und die philosophische Untersuchung hat diesen geschichtlichen Zweifel zur systematischen Kritik fortzubilden. Sie geht von der Tatsache und dem Plane des Systems der Philosophie aus; die Erkenntnis der Natur ist der Logik anheimgegeben, als der Logik der Naturwissenschaft; die Erkenntnis des Menschen fällt der Ethik zu, als der Logik der Geisteswissenschaften. Wenn wir in unserem Zusammenhänge hier von der Kunst und demzufolge der Aesthetik absehen dürfen: ebenso aber auch von einer universalistischen Auffassung der Psychologie für die Einheit des Kulturbewußtseins: was bleibt dann noch für eine wahrhafte Richtung der Kultur übrig, sofern deren Wahrhaftigkeit und wissenschaftliche Reinheit in der Erzeugung und Bezeugung eines besonderen, eigentümlichen Inhalts der Kultur sich zu Vollzieher: hat?

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